Michael Gaismair: Der Mann der das Mittelalter abschaffen wollte

Ende 1525 liegt der große Bauernaufstand im Heiligen Römischen Reich in seinen letzten Zügen. Mit der Kapitulation der Rebellenstadt Waldshut am 5. Dezember 1525 endet der Widerstand gegen die jahrhundertealte Willkür. Der Schweizer Kanton Appenzell wird Treffpunkt konspirativer Exilanten. Einer von ihnen ist der Südtiroler Michael Gaismair der zuvor nur knapp dem Zorn des Adels entkommen konnte. Im Exil verfasst er ein Manifest das seiner Zeit um Jahrhunderte voraus ist und nimmt den Kampf gegen Tyrannei und Willkür in seiner Heimat erneut auf – damit beginnt der letzte Akt des Bauernkrieges.

Schweiz, Appenzell, Frühjahr 1526. Für einen großgewachsenen, hageren, Mitte Dreißig jährigen Mann ist der Bauernkrieg noch nicht vorbei. Bei den geheimen Treffen der ehemaligen Rebellen schürt der rhetorische begabte Micheal Gaismair das Feuer für einen gesellschaftlichen Umsturz. Eine bloße Besserung der Lebensumstände durch Zugeständnisse des Adels geht Gaismair nicht weit genug. Forderten die Ausständischen 1525 einst in ihren „Zwölf Artikeln“ bescheidene Zugeständnisse wie die gemeinsame Nutzung von Wald, Weide und Wasser, Gerechte Strafen, eine freie Wahl der Pfarrer, religiöse Freiheit, Abschaffung willkürlicher Frondienste und die Abschaffung der Leibherrschaft, sieht Gaismair in der blutigen Antwort des Adels auf diese frommen Bitten die Notwendigkeit eines viel radikaleren Programms. Er selbst hat sie erlebt, die Kaltherzigkeit mit dem Adligen und Kleriker auf fromme Bitten antworteten und als einfache Bergleute mächtige Männer in die Knie zwangen.

Michael Gaismair

Der aus Sterzing in Südtirol geborene Gaismair ist alles andere als ein armer Mann. Er wurde in eine bürgerliche Familie geboren die es in Sterzing durch Landwirtschaft und Bergbau zu Wohlstand gebracht hatte. So kam der zukünftige Unruhestifter zum Besuch einer Lateinschule, später soll Gaismair dann Jura studiert haben. Seine hohe Bildung brachte ihn in hohe Ämter, darunter auch als Schreiber des Landeshauptmann von Tirol. 1524 als sich im Norden der große Bauernkrieg zusammenbraute, war er Sekretär des Fürstbischofs von Tirol. Wie mag er wohl gedacht haben als rechte Hand eines Unterdrückers? Wahrscheinlich weckte eines der zahlreichen Flugblätter – eine relativ neue Erscheinung seiner Zeit – welche die aufständischen Bauern in Schwaben aussandten, den Fürsprecher der Unterdrückten in ihm.

Eine Hinrichtung zu viel

Einer dieser Unterdrückten war Peter Pässler. Im Mai 1525 brachte man ihn zum Richtplatz von Brixen, wo der Henker auf ihn wartete. Pässlers Verhängnis: Neben anderen kleineren Vergehen hatte er das Fischereiverbot mehrfach übergangen und so eine Fehde mit dem dortigen Fürstbischof „provoziert“. Dafür sollte er nun seinen Kopf verlieren. Doch eine aufgebrachte Menge stürmte den Richtplatz und brachte den Todgeweihten in Sicherheit. Es war ein maßloses Todesurteil zu viel. Kurze Zeit später stürmten tausende Aufständische die Stadt Brixen und ließen ihren aufgestauten Frust an Geistlichen und Adligen aus. Gaismairs Dienstgeber, der Fürstbischof, wurde verjagt und Gaismair selbst am 13. Mai 1525 zum Feldhauptmann ernannt. Der Bauernkrieg in den Alpen stand erst am Beginn und breitete sich rasant quer durch Südtirol aus.

Spätmittelalterlicher Richtplatz

Der belagerte Fürsterzbischof

Das es nur noch eine Frage der Zeit war bis neben der Bedrohung durch die türkischen Osmanen, auch das eigene Volk zur Gefahr wird, hatte der Fürsterzbischof von Salzburg Leonhard von Keutschach geahnt, als er seine Residenz und Festung Hohensalzburg zum uneinnehmbaren Bollwerk ausbauen ließ.
Seinem Nachfolger, den unbeliebten Fürsterzbischof Matthäus Lang von Wellenburg kam dies nun zu Gute, als der Aufstand im selben Monat sein Erzbistum erreichte. Die Bürger der Stadt Salzburg dachten gar nicht daran dem Mann zu schützen, der noch im Jahr zuvor die Festung mit einem mit Kanonen bewehrten Turm ergänzt hatte um seine „Bürger zu meistern“. Mit seiner Flucht hinter die Festungsmauern am 23. Mai 1525 gab der Tyrann die Kontrolle über sein Land praktisch auf, konnte aber noch Hilfe anfordern bevor die Rebellen und Bürger mit der wochenlangen Belagerung begannen.

Der sicherste Ort im ganzen Erzbistum Salzburg: Die Festung Hohensalzburg. Hier hin flüchtete Fürsterzbischof Matthäus Lang von Wellenburg vor dem Volkszorn.

Das Wunder von Schladming

Dem Hilferuf des Fürsterzbischofs folgte sein Untergebener, der Heerführer Sigmund von Dietrichstein. Sein Gefolge konnte sich sehen lassen. 5000 Soldaten mit moderner Ausstattung und mehreren Kanonen – in einem offenen Kampf hätten die Rebellen keine Chance gehabt. Darüber war sich der Rebellenführer, der den größten Sieg des gesamten Bauernkrieges erringen wird, im Klaren, als die feindliche Übermacht ihr nächtliches Lager vom 2. Auf dem 3. Juli bei Schladming aufschlug, ehe es nach Norden weiter ging um dem Fürsterzbischof aus einer misslichen Lage zu befreien. Dietrichstein ahnte nicht, dass er und seine Männer aus den nahen Bergwäldern beobachtet wurden.
Wenig ist über die Vergangenheit des Bergbauunternehmers Michael Gruber bekannt, der in jener Nacht mit 3500 Rebellen in seinem Rücken auf den richtigen Moment gewartet hat. Ihm gelang ein taktischer Geniestreich als er seine zahlenmäßig unterlegenen Truppen im Schutz der Dunkelheit in zwei Kolonnen auf Dietrichsteins Lager zumarschieren ließ.
Das Überraschungsmoment war perfekt, noch ehe die Soldaten reagieren konnten, waren die Rebellen in das Lager hineingeschlichen und erschlugen hunderte überraschte Soldaten. Der Fuhrpark der schweren Kanonen war in dieser Nacht nutzlos für Dietrichsteins Armee – sie fielen an Grubers Rebellentruppe. Noch ehe die Sonne aufging war die Schlacht eindeutig für Gruber entschieden. Die Kriegskasse ging an die Rebellen. Dietrichstein und weitere Adlige wurden gefangengenommen.
Wo auch immer Gruber sein taktisches Geschick herhatte, die Schlacht von Schladming stellte den größten Sieg der Rebellen während des Bauernkriegs dar. Schladming lässt Gruber niederbrennen und schließt sich den Salzburger Aufständischen an, die den Helden von Schladming im Jubel empfangen.

Frühe Kanone wie die so genannt „Feldschlange“ sind neben Langbogen und Söldnerheere die Totengräber des Ritterstandes.

Die Situation in seinem Machtbereich trieb dem mächtigsten Mann der Region die
Schweißperlen auf die Stirn. Der Habsburger Ferdinand von Österreich rief am 21. Juli 1525 zum Landtag in Innsbruck und erschien dort persönlich. Die Liste an Forderungen die dem Habsburger und seiner Gattin lautstark vorgetragen wurden war lang. Gaismair und seine Rebellen waren sich sicher, dass Ferdinand -sofern er wieder Stabilität in seinem Land wollte, sämtlichen Forderungen nachgeben musste – überhaupt neben dem Debakel bei Schladming.
Dann traf die Kunde vom tragischen Verlauf des Bauernkrieges im Norden ein. Geschichten über die Greul und Härte mit der die Obrigkeit die aufständischen Bauern niederkämpfte machten die Runde. Wie etwa das Marktgraf Kasimir von Brandenburg-Kulmbach 60 Aufständischen die Augen ausstechen ließ.
Der Sieg von Schladming wirkte nur noch wie ein Tropfen Wasser auf dem heißen Stein des Bauernkriegs. Das brachte Ferdinand in eine weitaus bessere Verhandlungsposition. Nur wenige Zugeständnisse konnten die Bauern zum Ende des Landtags dem Habsburger abringen.

Die Belagerung der Belagerer

Nach bangen Warten sah der Fürsterzbischof Lang von Wellenburg die Rettung an den Ufern der Salzach eintreffen. Damit schien es als würde sich der Aufstand im Schatten der Festung Hohensalzburg Mitte August 1525 entscheiden. Auf der einen Seite die Retter des Fürsterzbischofs; Truppen des schwäbischen Bundes, angeführt von Georg von Frundsberg der seine technisch weit überlegenen Truppen zur Wiederherstellung der Ordnung ins Feld führt und auf der anderen Michael Gruber und die zu allem bereiten Salzburger. Bei Schladming hatte er einfach Glück, aber gegen Frundsberg kann er nicht gewinnen – dürfte es dem Fürsterzbischof durch den Kopf gegangen sein.
Zu einer Entscheidungsschlacht kam es nicht, Gruber und seine Rebellen legten bei der Befestigung ihrer Position größtes Geschick an. Die Belagerung der Festung und die Belagerung der Belagerer durch Frundsberg dauerte noch bis Ende August. Dann zog Frundsberg die Reißleine und suchte den Dialog. Der „Salzburger Vertrag“ beendete den Konflikt.
Köpfe rollten keine, doch als die im Vertrag zugesicherten Forderungen des Bergleute und Bauern auf einem Landtag abgewiesen wurden, brach der Aufstand noch im Oktober von neuen los.

Ausstellung im Museum der Festung Hohensalzburg. Die aufständischen Bergknappen belagerten die Festung erfolglos. Eine der von ihnen abgefeuerten Kanonenkugeln steckt noch heute in einer Marmorsäule im „Hohen Stock“ der Festung.

Manifest eines Vordenkers, 1526

Gaismair lebt nun im Schweizer Exil mit Frau und Kind. Gefahr droht ihm hier keine. Die Idylle täuscht, in Gaismair brodelt es auch weil die Tiroler Regierung alles versucht Gaismair gefangen zu nehmen. Auf ihn ist nicht nur ein hohes Kopfgeld ausgesetzt, man lädt ihn sogar ein weiteres Mal nach Innsbruck – dieses Mal ohne Hinterhalt heißt es. Die Schweiz selbst liefert den einstigen Störenfried nicht aus. Gaismair ist heil aus der Sache rausgekommen. Hier im Exil könnte er ein friedliches Leben führen doch unter dem Einfluss des Schweizer Reformator Zwingli beginnt Gaismairs Wandlung vom Rebellen zum Visionär.
Im Winter 1525/1526 verfasst er ein Werk, das als die „Tiroler Landesordnung“ bekannt wird. Es sind nicht bloße Bitten und Forderungen wie sie Aufständische sich gewünscht hätten. Es ist der Entwurf einer völlig neuen Ordnung von Staat und Gesellschaft.

Gaismair erkennt an der Schwelle zur Neuzeit, dass die Ungerechtigkeit des feudalen Ständesystems nicht mir Zugeständnissen der Herrschenden aus der Welt zu schaffen ist, sondern nur mit einem gänzlich neuen Gesellschaftsmodell. Seine Punkte in der Tiroler Landesordnung muten zu modern für einen Menschen des sechzehnten Jahrhunderts und doch hat sie eben dieser folgendermaßen formuliert – auch wenn dem heutigen Betrachter so manches an den Klerikalfaschismus der Moderne erinnert:
„In allen Dingen nicht den Eigennutz suchen, sondern zum Ersten die Ehre Gottes und danach den Gemeinnutz“

Burgen wie hier die Burg Heinfels , Symbole feudaler Macht, will Gaismair allesamt schleifen lassen. In seinem Programm hat er keine Verwendung für sie.

Die Erkenntnis das eine neue Zeit angebrochen ist äußert sich auch darin das Gaismair Burgen und Stadtmauern schleifen lassen und Fürsten abschaffen will. Alle Menschen sollten in Dörfern leben. „Damit es keinen Unterschied mehr zwischen den Menschen gebe …“. „Damit eine völlige Gleichheit im Lande sei“. Damit haben die drei Stände des Mittelalters ausgedient. Selten hat ein Mensch soweit „Out oft he Box“ gedacht.
Auch für den Handel hat die Landesordnung aus der sozialistischen Zukunft einen Plan. Wucher solle der Vergangenheit angehören, indem Staatsangestellte mit festem Gehalt alle ihre Waren ohne Gewinn verkaufen. Wucher und Betrug würden damit der feudalen Vergangenheit angehören. Auch die Großunternehmer, wie die Fugger nimmt Gaismair ins Visier: gehören Bergwerke mächtigen Unternehmern wie den Fuggern, sollen sie von nun an verstaatlicht werden. Auch wenn der moderne Kapitalismus noch nicht erdacht ist, Gaismair hegt nichts als Verachtung für ihn: „… diese haben der ganzen Welt mit ihrem unchristlichen Wucher geschadet“.
Auch demokratisches findet sich in seiner Landesordnung:
„Zum vierten sollen alle Freiheiten abgetan, dann sie wider das Wort Gottes seind und das Recht fälschen, darin niemand für den andern gevorteilt werden soll.“
„Zum neunten soll ein jede ganze Gmein eins jeden Gericht alle Jahr ein Richter und acht Geschworen erwöhlen, die sollen dasselbig Jahr den Gerichtzwang versehen.“

„ … Klöster und Deutsche Heuser sollen in Spitäler gmacht werden. In etlichen sollen die Kranken beieinander sein … in den anderen die alten Personen, so Elters halben nimmer arbeiten mugen…“

Gaismair wirkt wie ein Zeitreisender, den vergleichbare soziale Maßnahmen gibt es zu dieser Zeit nirgends. Säkulär soll sein idealer Staat allerdings nicht sein. In der Regierung sollen drei Theologen sein die „… alle Angelegenheiten nach dem Befehl Gottes richten und urteilen.“
Aus heutiger Sicht ist Gaismairs Staat mehr „Theokratie“ denn „Demokratie“.
Auch greifbareres fordert Gaismair. Etwa die Trockenlegung von Sümpfen für die Landwirtschaft um die Menschen besser zu versorgen. Auch Brücken und Straßen sollen vermehrt gebaut werden. Ein Utopia, wie der Engländer Thomas Morus 1516 die erfundene Insel in seinem gleichnamigen Werk beschreibt. Für Morus ist die darin geschilderte Gesellschaft ohne Privateigentum allerdings reine Fiktion, bei Gaismair hingegen ist sie als konkretes politisches Programm das Gebot der Stunde und ein unglaublicher Affront dem Adel gegenüber.

Enorm wohlhabende Adlige wie Jakob Fugger macht Gaismair für die Ungleichheit auf der Welt verantwortlich.

Der Widerstand fliegt auf

Im Frühjahr 1526 sendet Gaismair Abschriften seiner Landesordnung in die Heimat. Im Exil wirbt er weiter um Mitstreiter für seine Sache, die findet unter den süddeutschen Exilanten Gehör. Doch dann kommt es zur Katastrophe.
Noch im März wird Gaismairs Bruder und Verbindungsmann in der Heimat gefangen genommen. Die Tiroler Regierung setzt wortwörtlich die Daumenschrauben solange an ihm an bis sie alle wichtigen Informationen über das Netzwerk des Wiederstandes erfahren.
Nach der Folter wird Hans Gaismair am Innsbrucker Stadtplatz hingerichtet. Damit so scheint es, ist der Tiroler Widerstand im Keim erstickt.

Kampf um Radstadt

Die Obrigkeit, so scheint es, tut unterdessen alles um durch ihr Verhalten ein erneutes Aufflammen der Aufstände zu schüren. Der Fürsterzbischof Matthäus Lang hat seine Versprechen aus dem letzten Jahr nicht erfüllt. Die Bauern im Salzburger Land erheben sich wieder und jagen seine Truppen aus dem Land. Wieder schließt sich Stadt um Stadt den Aufständischen an. Außer eine: Radstadt im Pongau stellt sich den Aufständischen entgegen und lebt nun mit den Konsequenzen. Mitte April 1526 steht sie unter Belagerung durch die zürnenden Aufständischen.

Mit diesem Kampf steht und fällt die Sache der Rebellen. Gaismair bricht aus seinem Asyl auf. Anscheinend 700 Mann sollen ihm folgen um die Belagerer zu unterstützen. Eine Wanderung auf Messers Schneide, denn zwischen dem Salzburger Pongau und der Schweiz, müssen Gaismair und seine Männer durch Tirol, wo er Staatsfeind N1 ist.
Als die Tiroler Regierung davon erfährt sind die Rebellen schon längst im Erzbistum Salzburg. Im Mai schließt sich Gaismair und seine Begleiter den Belagerern von Radstadt an. Sein Ruf eilt ihm voraus. Unter allgemeinen Jubel wird Gaismair zum obersten Feldhauptmann ausgerufen.

Fürsterzbischof Matthäus Lang lässt sein treues Radstadt unterdessen nicht im Stich. Aus Ermangelung von geeigneten Truppen tritt er dem schwäbischen Bund bei, dieser entsendet prompt kriegerprobte Truppen. Nicht nur Bundestruppen marschieren nun auf Gaismair zu. Unter den fürsterzbischöflichen Kämpfern befindet sich nun auch ein unerwarteter Verbündeter. Michael Gruber – der Sieger von Schladming. Der gerissene Fürsterzbischof hatte erkannt das das brutale Verfolgen der fähigsten Rebellenführer fruchtlos ist. So warb er nach Ende der Belagerung von Salzburg Gruber kurzerhand selbst an.
Nicht nur für Geld zieht Gruber nun gegen seine einstigen Mitstreiter – in Gaismair Manifest werden reiche Bergbauunternehmer wie er gescholten.
Bald schon kommt es immer wieder zu Gefechten zwischen Gaismair und den Truppen Langs. Zu einer Entscheidung kommt es nicht. Unerwartet zäh und geschickt zugleich agieren die Rebellen unter Gaismair. Er kennt das blutige Schicksal jener Aufständischen in Süddeutschland die voreilig die Flucht ergriffen. Solche „Treibjagden“ seiner Männer will er unbedingt verhindern und drillt sie dementsprechend. Der Kommunist Friedrich Engels wird Jahrhunderte später die Fähigkeiten dieses „Proto-Kommunisten“ loben.

Rückkehr eines Todgeweihten

Am 1. Juli 1526 taucht der Grund des Bauernaufstandes in Brixen im Südwesten des Erzbistums (Zell am See) auf – Peter Pässler. Der einst vom Henker Gerettete führt nun selbst ein Rebellenherr an und tritt dort den Truppen des Schwäbischen Bundes entgegen.
Die moderne Ausstattung der Bundesarmee schlägt Pässler und seine tapfere Truppe in die Flucht.
Gaismair und seine Armee die sich die Zähne an Radstadt ausbeißen drohen von Gruber Truppen und dem schwäbischen Bund eingekesselt zu werden. Die Belagerung wird abgebrochen um sich mit Pässlers restlichen Truppen zu vereinen. Nun geht es über die Alpen südlich. 2000 Mann stehen nach der Überquerung den Truppen Frundsbergs gegenüber. Die erschöpften Rebellen erleiden eine Niederlage. Wer nicht mehr kann bleibt in Tirol und begibt sich damit in die Hände der verhassten Tiroler Regierung.

Asyl in Venedig

Mit der Überschreitung der Grenze zur Republik Venedig der restlichen 1500 Rebellen endet der letzte Feldzug des Bauernkrieges am 12. Juli 1526.
Hinter Gaismair und seinen Mitstreitern wartet nur noch der Zorn des Fürsterzbischofs. Die reiche Lagunenstadt allerdings hat Verwendung für die kampferprobten Flüchtlinge aus den Alpen und nimmt sie als Söldner in ihre Dienste.
Für Gaismair beginnt ein neues Leben. Er ist nun „Condottiere“ ein Söldnerführer. Seinen letzten Kampf führt er 1527 gegen die mit Venedig verfeindeten Habsburger. Dabei leistet er wertvolle Dienste für die der Doge von Venedig mehr als eine Dukate springen lässt und Gaismair so eine angenehme Pension ermöglicht. In Padua lässt er sich mit seiner Familie nieder. Pferde sind nun seine neue Leidenschaft – es könnte ein friedvoller Lebensabend werden. Doch Gaismair bleibt Revolutionär und netzwerkt wo er nur kann um die ihm so verhassten Habsburger aus Tirol zu vertreiben. Seinen Traum vom egalitären Staat will er auch im hohen Alter noch verwirklichen. Das Hause Habsburg bekommt Wind von Gaismairs Treiben und setzt ein absurd hohes Kopfgeld auf dem in einem Landhaus in Padua residierenden Pensionisten aus.
Das hohe Kopfgeld lockt fähige Attentäter und Glückritter, doch scheitern sie alle. Die Feindschaft zwischen den Habsburgern und dem alten Gaismair scheint wohl erst zu Enden, wenn letzterer friedlich im Schlaf stirbt.

Die italienischen „Condottiere“ sorgen im Krieg zwischen den Habsburgern und Venedig für Schrecken. Einer von ist Michael Gaismair.

Der Anschlag

Am 15. April 1532 empfängt Gaismair den ihm bekannten Pferdehändler Jacometo Cavalcatore in seinem Heim. Das von ihm feilgebotenen Zaumzeug will der Pferdenarr im Stall ausprobieren und fällt einem schamlosen Komplott zum Opfer.
Im Pferdestall warten bereits zwei italienische Söldner und strecken den Visionär Gaismair mit 42 Messerstichen nieder. Die beiden Söldner und der Pferdehändler töten darauf noch einen Knecht und einen Künstler die mit Gaismair verabredet waren, rauben alles was sie mitnehmen können und fordern in Tirol ihr Kopfgeld ein.
Das versprochene Kopfgeld erhalten die Mörder allerdings nicht – die Tiroler Regierung beanstandet süffisant die Täter hätten nur als Geldgier gehandelt.
Gaismair ist einer der letzten 70 000 Menschen die im großen Bauernkrieg von 1524-1526 ihr Leben verloren hatten.

Hinterlasse einen Kommentar