„Ich werde sein Genick packen wie das einer Gans … ich werde seine Hinterbliebenen austilgen, ich werde dafür sorgen daß ihre Gehöfte veröden“ soll es in Grabinschriften eines Pharaos heißen, falls es jemand wagt seine Totenruhe zu stören.
Auch davon lässt sich der britische Archäologe Howard Carter nicht aufhalten und widmet sein Leben der Suche nach einem unberührten Königsgrab. Am Ende steht ein Jahrhundertfund und die vermeintliche Erfüllung des uralten Fluchs.

Seit der Fertigstellung des Suezkanals zieht es reiche Europäer in das Land am Nil. Darunter auch ein 17-jähriger Brite, Howard Carter. 1892 nimmt er an Ausgrabungen in el-Amarna teil, der Residenz des „Ketzerkönigs Echnaton“. Noch ahnt er nicht das er dreißig Jahre später das Grab des Jungen freilegen wird der hier einst geboren und aufgewachsen war – und damit eine der größten Mediensensationen der Moderne auslösen wird.
Doch der Weg dorthin ist steinig und hart wie die Ruinen durch die sich der ehrgeizige und eigensinnige Archäologe unermüdlich gräbt. Für die Archäologie ist er als junger Mann nicht nur für sein peinlich genaues Vorgehen von hohem Wert. Die künstlerische Ader hat er von seinem Vater geerbt und bringt sie zur Perfektion. Von den uralten, faszinierenden Exponate aus dem Reich der alten Ägypter fertigt Carter lebhafte Zeichnungen im Auftrag der „Egypt Exploration“ an. Darunter auch die tausende Jahre alte Kunst aus der Zeit des Echnaton, der Amarazeit.
In einer Zeit vor Erfindung der Farbfotografie sind begabte Illustratoren wie Carter unentbehrlich. Im Auftrag eines gewissen Percy Newberry bannt er Wandmalereien und Felsgräber von Beni Hassan und el-Bersch auf Leinwand. In seiner Freizeit zeichnet er ebenfalls und zwar die Schönheiten des Nils und seiner Ufer. Wo er sich auch niederlässt und zwar in Theben, nicht weit entfernt vom Tal der König wo zu seiner Zeit eifrig nach Schätzen gegraben wird. Seiner finanziellen Gönnerin aus der Heimat Lady Amherst schreibt er von dort immer wieder Briefe die er mit kleinen Kunstwerken schmückt. Ägypten hat den jungen Briten in seinem Bann gezogen.
Von Carters künstlerischen Talent ist auch William Flidners Petrie, ein Pionier der Archäologie, der seine Kollegen berechtigterweise als Grabräuber bezeichnet und in Carter nicht mehr als einen Ausnahmekünstler sieht, angetan und schreibt in sein Protokoll:
„Herr Carter ist ein gutmütiger Junge, dem sein ganzes Interesse der Malerei und Naturkunde gilt … es lohnt sich für mich nicht ihn als Ausgräber auszubilden.“
Doch bei Grabungen am Totentempel der legendären Herrscherin Hatschepsut 1893 sammelt er wertvolle Erfahrungen und sieht wie man es nicht macht. Die Schäden die goldgierige Ausgräber anrichten entsetzten ihm. Vermeintlich wertlose Artefakte werden achtlos liegen gelassen. Darunter sogar Mumien, die sich in der Witterung zersetzen.

1899 wird Howard Carter zum Chefinspektor von Oberägypten und Nubien befördert. Das verstimmt viele seiner Kollegen, verfügt er doch über keine universitäre Ausbildung. Fleiß, Ehrgeiz und Beziehungen haben den eigenwilligen Forscher so weit gebracht. Der wohlhabende Amerikaner Theodore Davis wird auf ihn aufmerksam und versorgt ihn mit dem nötigen Geld um Grabungen im Tal der Könige zu fördern. Dort wo die alten Ägypter ihre Herrscher mitsamt ihrer Schätze beerdigten, findet Carter 1903 tatsächlich das Grab des Thutmosis IV – ein wegweisender Erfolg. Doch die Gruft ist beinahe leer. Wie bei allen Gräbern bisher, wurde auch dieses bereits in der Antike geplündert – Androhung von diabolischen Strafen der Obrigkeit hin oder er. Dennoch, einige Kunstwerke hatten die Räuber in ihrer Eile vergessen. Dienerfiguren und einen königlichen Streitwagen, Gegenstände die der Pharao im Jenseits hätte brauchen können, kann Carter bergen. Die märchenhafte Vorstellung vom Fund eines intakten Pharaograbes lässt Carter in Träumen schwelgen.
Doch nach einigen Streitereien mit dem französischen Generalkonsul wird Carter versetzt. Die Versetzung entgeht er indem er kurzerhand aus dem Antikendienst 1905 austritt. Er bleibt in seinem geliebten Theben und schlägt sich als Maler, Reiseführer und Agent im Antikenhandel durch. Für Davis fertigt er Illustrationen an, die dieser in seine Publikationen einbaut.
Lord Carnarvon

In Luxor trifft Carter auf einen Lebemann der den Zeitgeist des neuen Jahrhunderts verkörpert. Segeln, Pferde und der neuartige Flugverkehr hatten es dem gebildeten, vielsprachigen Lord Carnarvon angetan. Vor allem Autos begeisterten ihn und mit damals halsbrecherischen 30 km/h hat er sich in England bereits einen Strafzettel eingehandelt.
Eines seiner Manöver endet in Deutschland in einem Unfall der ihn zum Halbinvaliden macht. Die Ärzte raten ihm Abstand zu den kalten Wintern seiner englischen Heimat zu nehmen und sein chronisches Leiden in wärmeren Gefilden zu kurieren.
Für einen Mann der sich für Geschichte begeistert ist die Reise nach Ägypten eine Offenbarung und Grabungen in den Ruinen der Hochkultur ein aufmunternder Zeitvertreib.
Beide verstehen sich auf Anhieb prächtig und der wohlhabende Lord Carnarvon wird zu Carters neuen Gönner.
Sie machen sich gemeinsam ans Werk und beginnen eifrig zu graben – doch was sie in sechs Wochen Grabung freilegen ist mager im Vergleich zu dem was ihre Kollegen an anderen Orten finden: Ein katzenförmiger Sarg der eine mumifizierte Katze enthält, eine Holztafel auf welcher der Kampf Pharaos Kamose gegen die Hyksos geschildert wird und am Ende dank Carters Grabungstechnik, ein Grab in dem acht Erwachsene und ein Kind beerdigt wurden freigelegt.
Die Beiden versuchen ihr Glück 1912, da wo keiner sucht. Unwirtlich und die antiken Stätte dort lockten weder Archäologen noch Touristen an. Sakha, im Nildelta. Als mittlerweile erfahrene Archäologen die ihre Grabungstechnik stetig optimieren finden sie auch an diesen vergessenen Ort etwas, nur auch wieder nicht das was sie sich gewünscht hätten.
Die Funde sind aus griechischer und römischer Zeit, viel jünger als die Gräber im Tal der Könige und damit eine Enttäuschung – eine Ausgrabung im legendären Tal der Könige – die große Nekropole der ägyptischen Herrscher- bleibt für beide ein Traum.

Theodore Davis tritt seine Grabungserlaubnis ab und übergibt sie an Howard Carter und seinen Partner. Nur ein halbes Jahr später verstirbt er in Florida. Davis Schlussfolgerung nach 12 Kampagnen ist klar: Mögliche Funde im Tal der König sind ein Hirngespinst, jede Ruhestätte die hier in den Fels gehauen wurde ist bereits freigelegt. Dieser Meinung schließt sich auch Carnarvon an, doch Carter lässt nicht locker. Er ist der festen Überzeugung das hier noch ein Königsgrab auf seine Entdeckung wartet.
Und er hatte einen Namen: Tutenchamun. Der Name taucht immer wieder ins Königschronolgien, in älteren Fund auf und obwohl seine Vorgänger im Tal der Könige fasst alle Gräber seiner Zeitgenossen entdeckt hatten, fehlt Tutenchamun’s Grab. Er überzeugt Carnavorn das es irgendwo, unentdeckt und wahrscheinlich von Grabräubern unberührt vor sich hin schlummert. Irgendwo unter Sand und Geröll. Carter kann es kaum erwarten seinen spärlichen Hinweisen zu folgen.
Dann fallen in Sarajevo Schüsse. Der Tod der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand entzündet das Pulverfass das Europa schon lange ist. Der erste Weltkrieg bricht wie ein Brandherd aus. Die britische Armee spannt Carter aufgrund seiner Arabischkenntnisse in Kairo ein. Oft genug stiehlt er sich davon, widmet sich verstärkt Studien zu Tutenchamuns Leben, Tod und möglichen Verbleib und kommt zum Schluss das der ganze Schotter abgetragen werden muss um bis zum Felsgrund – dort vermutet er einen Zugang – zu gelangen. Selbst ein Weltkrieg kann ihn nicht von seinem Traum abhalten.

Doch wo beginnen? Die Hinweise und Ergebnisse nach langer Recherche die Carter zur Verfügung stehen sind spärlich.
Sein Vision nimmt Form an: Er steckt ein Dreieck im Tal der Könige, durch die Gräber von Ramses II., Merenptahs und Ramses VI. ab. Darin vermutet er das Grab des mysteriösen Pharaos. Abstand der jeweiligen Gräber – 60 Meter Luftlinie. Innerhalb von drei Monaten wird ein beträchtlicher Bereich freigegraben. Dabei stoßen sie auf antike Hütten der damaligen Arbeiter – eine heiße Spur. Auch Davis Funde von Gegenständen des Pharaos legen die Vermutung nahe, das Tut-Ench-Amuns Grab im Zentrum der Nekropole liegen muss.
Bis Kriegsende werden Tonnen von Schutt abgetragen, nicht nur per Hand von zig Arbeitern sondern nun auch mithilfe einer Feldbahn. Lord Carnarvon, der zwischenzeitlich in seiner Heimat beinahe an einem Blinddarmdurchbruch verstorben wäre scheut keine Kosten.
Alles was nun auf dem nackten Felsboden zum Vorschein kommt und verdächtig aussieht, trägt Carter peinlich genau in sein Grabungsbuch ein. Tief in seiner Arbeit versunken blendet er den Wandel aus der sich in Ägypten 1919 in blutigen Unruhen entlädt.
Eine Revolution steht bevor und Carter wird als politischer Offizier abkommandiert. Als sich die Lage beruhigt, es aber zum Graben noch zu unsicher ist, bricht er nach England auf , das er seit 3 Jahren nicht mehr gesehen hat. Nachdem er dort als anerkannte Koryphäe Rede und Antwort steht, reist er wieder nach Theben.
Dort wartet bereits 1920 ein Vorgeschmack auf das was zum Vorschein kommen wird. Ein Versteck mit 13 Alabastergefäßen am Eingang des Grabes von Merenptah. Darin liegen die Einbalsamierungsmaterialien für dessen Mumie. Ein sicherer Beweis das das Tal noch lange nicht erschöpft ist, wie Davis einst fälschlicherweise schlussfolgerte.
Doch im Herbst 1920 muss das Abtragen des Schuttes unterhalb des Eingangs des Grabes von Ramses VI unterbrochen werden, da es um diese Jahreszeit die meistbesuchte Attraktion für Touristen war. Der Bereich wo das geheimnisvolle Grab vermutet wird ist damit versperrt.
Carter, ganz im Grabungsfieber weicht auf das Grab Thutmosis III. aus und findet fort nichts. Ein Rückschlag, diese Kampagne ist damit gescheitert. Mann diskutiert ob das Tal nicht doch erschöpft ist. Dazu kommt das Lord Carnavorn Zuwendungen unter der Inflation nach Ende des Weltkriegs zu versiegen drohen.
Carter, im Bann seiner Vision, verweist auf die sicheren Hinweise und den Grundriss des Tals und argumentiert mit dem unerschlossenen Bereich neben der Gruft Ramses VI. – Ein vielversprechender Bereich. Lord Carnarvon bleibt zögerlich, worauf Carter kurzerhand anbietet die letzte Grabung selbst zu finanzieren. Die letzte Chance. Carnarvon, ganz der Sportsmann, willigt ein.
Der Fund des kleinen Hussein
Mit seinem letzten Vermögen und einen Kanarienvogel als Glücksbringer kehrt Carter am 28. Oktober 1922 zurück nach Luxor. Der Druck auf Carters Schultern ist enorm. Eifrig und hoffnungsvoll notiert er alles was sein einheimisches Grabungsteam unter Unmengen von Schutt freilegt. Darunter die weiteren Reste der antiken Hütten in denen vor tausenden Jahren die Arbeiter wohnten die ehrfürchtig die letzte Ruhestätte ihres Pharaos in den Fels hauten. Wie zur damaligen Zeit der Hochkultur hallt nun im Herbst 1922 der Lärm der Arbeiter durch das Tal der Könige.
An einem Novembertag aber ist es beängstigend still im Tal. Die Arbeiter haben die Arbeit niedergelegt. Sie tuscheln und flüstern aufgeregt als sie den gerade ankommenden Carter zur Grabungsstelle durchlassen. Man habe etwas gefunden.
Die Entdeckung ist so unscheinbar wie ihr Entdecker. Der zwölfjährige Wasserträger Hussein war zufällig auf eine in den Fels gehauene Stufe gestoßen – der Pfad zur letzten Ruhestätte eines Pharaos?

Carters Eintrag an diesem 4. November 1922:
… Die Stufe der Anfang einer steilen und in den Felsen geschnittenen Ausschachtung ungefähr vier Meter unter dem Eingang Ramses VI war … von der Art eines in die Tiefe führenden Treppeneingangs zu einem Grab vom Bautyp der 18. Dynastie.
Tags darauf wird ein zwei Meter hoher Gang und eine Treppe mit 16 Stufen freigelegt. Im Verputz pinselt Carter das Siegel der antiken Königsmetropole frei: Ein Schakal auf neuen Gefangenen.
Carter versucht seine Euphorie zu bändigen. Nicht zwingend handelt es um einen Zugang zu einem Königsgrab. Der Gang scheint ihm zu unscheinbar, zu klein. Der Archäologe wähnt sich an den Pforten der Gruft eines hohen Beamten oder vielleicht einfach nur eines Depots wie sie im Tal der Könige öfter zu finden sind. Außerdem klafft ein wieder verschlossenes Einbruchsloch im Mauerwerk. Insgesamt doch ein typischer, unscheinbarer Fund den sich Carter doch genauer ansehen will.
Das eilig verschlossene Einbruchsloch wirkt wie eine Einladung. Er schlägt es ein und führt eine elektrische Lampe hindurch und wappnet sich für zwei Szenarien: Entweder das von den Räubern verursachte Chaos zu erblicken oder gähnende Leere.
Im Lichtkegel sieht Carter haufenweise Geröll der den Raum bedeckt. Er ahnt nicht das sich darunter das Siegel mit dem königlichen Namen befindet und lässt die Treppe vorübergehend wieder zuschütten. Am 6. November schreibt er Lord Carnarvon in einem Telegramm: großartige Entdeckung im Tal. Dieser lässt alles liegen und bricht sofort nach Alexandria auf. Auch sein Assistent Arthur Callender reist unverzüglich nach Luxor.
Die Neuigkeit spricht sich schnell herum. Selbst als er vor der freigeräumten Kammer Reste von Holzkisten und Scherben findet, ändert auch das Siegel des Tutenchamuns nichts daran das Carter glaubt lediglich ein Depot gefunden zu haben. Vor allem weil erkennbar ist das der Zugang zwei Mal geöffnet und wieder verschlossen wurde. Scheinbar gibt es kein Grab das nicht von Grabräubern heimgesucht wurde.
Verschlossen, versiegelt und wieder geöffnet
Aus Angst um seinen wertvollen Fund bleibt Carter die ganze Nacht im Tal. Am 25. November wird der Schutt bei Seite geräumt. Antike Grabräuber waren bereits, wie befürchtet am Werk gewesen, wie das Grabungsteam anhand eines gegrabenen Tunnels durch das Geröll erkennen können. Scheinbar wurden sie entdeckt und ergriffen die Flucht. Aus guten Grund, denn die Strafen für Grabräuberei waren drakonisch.
Die von den damaligen Wachen wiederverschlossne Öffnung wird am 26. November freigelegt. Carter schlägt vorsichtig ein kleines Guckloch in die linke obere Ecke und rechnet schon damit das sich die Räuber damals mit einem Großteil des Inhalts davon gemacht hatten, doch das Glänzen und Schimmern im Schein der Kerze die er durch die Öffnung hält beweist das Gegenteil.
Eine halbe Ewigkeit sagt er nichts, drückte sich stumm gegen die Mauer, gebannt von dem was dort in der Finsternis seit tausenden Jahren kein Licht mehr gesehen hat. Carnarvon, seine Tochter Evelyn, Callender und die Vorarbeiter warten begierig auf eine Antwort ob er etwas sehen könne.
Die ersten Worte die versuchen den Jahrhundertfund zu beschreiben sind knapp: Ja, wunderbare Dinge, haucht Carter gebannt vom Anblick. Es ist der Moment in dem sich sein Lebenstraum erfüllt.
Das Loch wird vergrößert, eine elektrische Lampe an vor Aufregung zitternden Händen herbeigebracht. Nun sehen auch seine Begleiter:
Da standen zuerst uns gegenüber vergoldete Bahren, deren Seiten in der Form von Tierungeheuern geschnitzt waren … von erstaunlicher Natürlichkeit, als unsere elektrischen Lampen gleich einem Blitzlicht ihre glänzenden goldenen Oberflächen aus der Dunkelheit hervorzauberten … zwei lebensgroße Statuen des Königs, die sich wie Schildwachen gegenüber standen… Alabastervasen, seltsame schwarze Schreine, aus deren einem eine große Schlange zur geöffneten Tür herausschaute…ein wirrer Haufen umgestürzter Wagen, die von Gold und Einlagen glänzten.
Schon Davis war nahe am Grab am Graben gewesen. Carter selbst stand in all den Jahren unwissend über der Gruft während er sich den Kopf über ihren Verbleibt zerbrach. Die Totenruhe des mysteriöse Toten war dem eifrigen Bauvorhaben der Hochkultur geschuldet. Der Schutt der das Grab bedeckte wurde bei den Arbeiten vor tausenden Jahren zu Ramses VI Grab darüber geschüttet. Der Aushub verdeckte das Grab und wurde damit schlicht vergessen. So entging der Pharao 250 Jahre nach seinem Tod der stattlichen Verordnung seiner Nachfolger Wertsachen aufgrund von Geldmangel aus den Gräbern zu holen. Selbst ein Pharao als Sohn des Re und damit Mittler zwischen der Welt der Menschen und der Götter konnte knapp bei Kasse sein.
Jetzt stehen Carter und seine erstaunten Begleiter in der ersten Grabkammer, umringt von umgeworfenen Gegenständen und Schutt was die antiken Grabräuber bei ihrer Flucht liegen gelassen hatten. Vor ihnen eine weitere versiegelte Kammer, die teilweise eingerissen ist. Vollgestellt mit noch mehr Grabbeigaben. Möbeln, Stühlen, Holztruhen und Vasen. Die Gestaltung ist ungewöhnlich. Weiter drinnen eine weitere Kammer, bewacht von zwei imposanten vergoldeten Statuen, Grabräuber hatten sich trotzdem daran zu schaffen gemacht.
Es gibt nur noch eines was dahinter verborgen sein mag: Die Mumie des Tutenchamuns.

Mann kann sich kaum vorstellen wie es Carter und seinem Team in den Fingern gejuckt haben muss zu der Mumie durchzudringen. Mit der Mumie eines Pharaos wäre zweifelsohne bewiesen das es sich um ein königliches Grab handelt. Doch mit der finalen Öffnung ist noch zu warten bis der Chefinspektor des Antikendienst Rex Engelbach, er hat sich für den 29. November angekündigt hat, eingetroffen ist.
Die Neugier ist stärker und so steigen Carter und sein engster Umkreis einen Tag zuvor heimlich in die Kammer ein, öffnen den seit tausenden jahren verschlossenen Schrein und sehen darin das Unglaubliche: den Sarg der Mumie Tutenchamuns. Auch in der Schatzkammer der vierten Kammer sehen sie sich um. Sie klettern wieder ins Freie und Carter tarnt das Einbruchsloch mit Schilfrohr und diversen Gegenständen – wie es einst die Grabräuber der Antike getan hätten.
Der Chefinspektor trifft am nächsten Tag ein und im Beisein sämtlicher Würdenträger wird das Grab offiziell geöffnet. Carters schlampig kaschiertes Loch in der Mauer bemerkt niemand.
Der Anlauf von Presse und Interessierter ist gewaltig und dürfte an Menschenmassen wohl die prächtigste Beisetzung eines Pharaos übertreffen. Carter jedoch hat Angst um die unschätzbar wertvollen Artefakte. Nichts macht ihm mehr Angst als das durch Unachtsamkeit etwas zerstört wird und lässt den Korridor am 3. Dezember vorsichtshalber vorübergehend zuschütten.
Pressewirbel, ein Fluch und andere biblische Plagen
Das mediale Echo ist gewaltig, der Strom an Schaulustigen die in Massen in das Tal strömen reisst nicht in den nächsten Monaten nicht ab. Einer der Restauratoren wird von seiner anspruchsvollen Aufgabe abgelenkt und schreibt seiner Frau im Februar 1923:
Heute Nachmittag haben mir ein Earl, eine Lady, ein Sir und zwei Würdenträger bei der Arbeit zugesehen. Sie sind eine schreckliche Plage und ich wünschte, sie würden sich fern halten.
Carter steht vor einem Präzedenzfall, nie zuvor wurde ein so gut erhaltenes mit reichen Beigaben ausgestattetes Pharaonengrab gefunden. Dank seiner Erfahrung und Genauigkeit sorgt er für die richtige Bergung und Verwaltung. Den Eingang zur Gruft lässt er mit einer massiven Eisentür sichern.
Für die Dokumentation der Funde richtet sich der Fotograf Burton kurzerhand eine Dunkelkammer im gegenüberliegenden Grab ein. Seine Aufnahmen gehen um die Welt und locken noch mehr Massen an Schaulustigen an. Gebannt verfolgen sie wie ein Schatz nach dem nächsten aus dem Grab geborgen wird Streitwagen, Statuen, Bänke, Amphoren und Schmuck alles was der Pharao im Jenseits brauchen könnte.


Die lange Lagerung hat den Funden zugesetzt ebenso der jetzige Umzug aus der kalten Gruft in die wärmere Umgebung. Ein Windstoß könnte reichen und Gegenstände aus Leder, Binsen oder Papyrus könnten zu Staub zerfallen. Das Team muss erfinderisch und vorsichtig vorgehen um die Schätze zu retten. Eine Herausforderung bei den Unmengen an Schaulustigen. Das Team um Carter und Carnarvon legt eine dringend benötigte Pause ein.
Die derzeitige Bilanz: 700 Gegenstände die geborgen, oder aus dem Grab gestohlene Artefakte, wie es später nach den merkwürdigen Ereignissen heißen wird.

Das bekannteste Stück der Sammlung, die weltberühmte Goldmaske und die Mumie des Pharaos selbst bekommt Carters Mäzen Lord Carnavorn nicht mehr zu Gesicht. Ein Monat nach dem Spektakel liegt Lord Carnarvon mit hohem Fieber im Bett seines Apartments im Hotel Continental-Savoy-Hotel in Kairo. Einen Moskitostich hat sich der Gentleman beim Rasieren aufgekratzt. Als sich dieser entzündet ist es das Todesurteil für den angeschlagenen Lord. Drei Wochen lang ringt er mit dem Tod, ehe er am 5. April 1923 mit 57 Jahren verstirbt.
Für die angereisten Presseleute ein gefundenes Fressen. Die Schlagzeile: Der Fluch des Pharao. Der König habe sich unter dem Eindruck der Störung seiner Totenruhe gerächt. Der plötzliche Tod von Carters Glücksbringer, dem Kanarienvogel, trägt sein Übriges zu den Gruselgeschichten bei. Carter verliert nicht nur seinen Gönner, sondern auch einen engen Freund den er über die Jahre schätzen gelernt hat.

Der Jahrhundertfund- CARTERS VERMÄCHTNIS

Am 12. Februar 1924 sollte die mit Spannung erwartete Öffnung des Sarkophag beginnen 12 Gäste durften diesem beiwohnen, auch eine Kamera wurde herbeigeschafft um das Ereignis auf Film zu bannen.
Eine Notiz im Grabungsprotokoll:
Als die Platte höher emporgewunden worden war und wir die verhüllenden Leinentücher eines nach dem anderen weggezogen hatten und das letzte entfernt war, da brachen wir alle in einen Ruf erstaunten Entzückens aus! Ein goldenes Antlitz des jungen Königs von der großartigen Kunstfertigkeit füllte, das ganze Innere des Sarkophags aus.
Familien und Bekannte der Forscher sollten die nächsten sein, die den Sarg bewundert dürfen – doch der Antikendienst macht Carter einmal mehr einen Strich durch die Rechnung. Es kommt zu einem Streit in dem Lady Carnarvon, die nach dem Tod ihres Ehemanns die Grabung mitfinanziert, die Konzession entzogen wird. Damit werden weitere Grabungen Carter untersagt und an den Antikendienst übergeben. Der Disput zwischen den Parteien wird so erbittert geführt das am Ende dem Mann der einen der größten archäologischen Funde aller Zeiten vorzuweisen hat der Zutritt zum berühmten Grab, seinem Lebenswerk, verweigert wird. Carter scheint den Kampf gegen den Antikendienst endgültig verloren zu haben.

Erst als sich der politische Wind in Ägypten dreht, darf Carter wieder weiter forschen. Die Schätze sind so zahlreich das mit der Ausräumung des letzten Raums erst 1927 im November begonnen wird. 5000 Objekte die einst in die Räumlichkeiten recht chaotisch verstaut wurden, werden in 90 Kisten in das Museum nach Kairo verschifft. Dies ist der erste große Fund der komplett in Ägypten bleiben wird – auch auf Protest der westlichen Gräber.
Die Vorgänge tangieren dem gesundheitlich angeschlagenen Carter nicht mehr. Lymphdrüsenkrebs lautet die vernichtende Diagnose. Damit ist sein Archäologendasein vorbei, doch die Liebe zu dem Land am Nil bleibt.
Man trifft in oft in der Lobby des hiesigen Hotels an wo er mit Freunden Bridge spielt. Darunter auch mit einer gewissen Agatha Christie. Auch sie ist mit der Ägyptenmanie infiziert, die Carter durch seinen Fund ausgelöst hat, wenig später erschient ihr Klassiker „Tod auf dem Nil“ der der Krimiautorin Weltruhm einbringt.
Seine Gesundheit verschlechtert sich und Howard Carter muss sein geliebtes Ägypten verlassen. Er verstirbt am 2. März 1939 mit 65 Jahren in seiner englischen Heimat.
Erst in den 2000er Jahren sollte es wieder zu spektakulären Funden im Tal der Könige kommen. Darunter das Grab einer Priesterin der Katzengöttin Bastet, einer verschütteten Werkstatt zum Einbalsamieren der Leichnamen und aktuell vermutet man das Grab der Königin Nofretete gefunden zu haben – ob ihr Grab die selben „wunderbaren Dinge“ noch beinhalten wird wie einst im Grabe des Tutenchamuns wird sich zeigen.
