Blutiger Frühling: Die Schlacht von Leipheim

Oberschwaben im Frühjahr 1525. Von der Gier und Willkür ihrer Herrn hat das Landvolk genug und trägt ihre Sorgen ihrer Obrigkeit, dem schwäbischen Bund, vor. Dieser hält die Bauern hin und nimmt sie auch nicht ernst. Dann rebellieren Bauern und Handwerker. Unterstützt werden sie auch durch evangelische Gottesmänner die sich der Sache der viel zu lange unterdrückten Bauern verschreiben. Der Adel reagiert und nimmt den Teufel in seinem Sold – Den Feldherrn Georg von Waldburg, der den verzweifelten Bauern bald als „Bauernjörg“ fürchten werden. 

Die Bitten und Sorgen die Vertreter der Bauern an einem eiskalten Februartag in Ulm vortragen sind für die adligen Mitglieder des Schwäbischen Bundes vor allem eins: unverschämt.

Darin beklagen die Bauern die Willkür und die enorme Arbeitslast die ihnen die Fürsten auferlegen. Sie fordern eine Minderung um einen gesellschaftlichen Umsturz geht es ihnen nicht – auch wenn sie die darin die Abschaffung der Leibeigenschaft fordern. Und selbst wenn sie eine Revolution anstreben würden, sie wissen um die Mittel die der Obrigkeit zu Verfügung stehen um jedes Aufbegehren im Keim zu ersticken. Auch deswegen ist Gewalt das letzte Mittel auf welches die Bauern zurückgreifen wollen.

Die Ratsmitglieder des Schwäbischen Bundes wissen das und halten die angereisten Vertreter der Bauern hin und erbitten sich Bedenkzeit, während sie die Vernichtung der für ihr Empfinden eindeutig zu frechen Bauern planen.

Der Geduldsfaden reist den Bauern als das ewige Hinhalten der Obrigkeit kein Ende nimmt. Sie beginnen sich zu organisieren – und zwar bewaffnet.

Sogenannte „Haufen“ formieren sich in jenen Krisenherden im heiligen Römischen Reich 1525. Der Baltringer Haufen im Baltringer Ried, der Allgäuer Haufen bei Kempten, der Seehaufen aus Bauern des Bodenseegebietes. Nahe Ulm formiert sich im März der Leipheimer Haufen. Bald sind es Zehntausende.

Zwar erreicht keiner von diesen Haufen dieselbe Professionalität wie Söldner – oder Berufsarmeen, doch sind sie mit Hauptleuten und Feldschreibern organisiert. Auch Landsknechte, die berühmt berüchtigten Söldner jener Zeit finden sich inmitten der Haufen. Viele von ihnen haben sich dem Landvolk angeschlossen da sie selbst Angehörige unter den Bauern haben. Verfügen die Landsknechte über die beste Ausbildung, eiserne Disziplin und die Erfahrungen aus unzähligen Schlachten die sie mit moderner Ausrüstung ausfochten, tragen die Bauern das was gerade bei der Hand ist als Waffen. In der Regel sind das landwirtschaftliche Werkzeuge. Sinnbildlich für die Bauernkriege wird der Dreschflegel. 

Abgesandte dieser Haufen treffen sich im März in Memmingen. Der Großteil der Bevölkerung ist reformatisch gesinnt und stellt sich auf die Seite der Bauern. Immer mehr Menschen aus dem gemeinen Volk sind überzeugt das die Forderungen und das geharnischte Aufbegehren gegen die Willkür der Obrigkeit im Einklang mit dem Evangelium stehen.

Mann schließt sich zur „Christlichen Vereinigung“ zusammen. Sollte der schwäbische Bund dennoch militärisch aktiv werden, verpflichten sich die Mitglieder zur gegenseitigen Waffenhilfe.

Verhandlungen zieht man aber immer noch dem Dreschflegel vor und verhandelt weiterhin mit dem Schwäbischen Bund um bessere Lebensbedingungen.

Landwirtschaftliche Werkzeuge werden als Waffen gegen den Adel genutzt. Am bekanntesten ist wohl der gefürchtete Dreschflegel.

Die Rolle der Theologen

Auch Gott hat hier mitzureden, sind sich Bauern und evangelische Theologen sicher. Bereits Martin Luther prangerte den Hochmut und die Willkür von Adel und katholischen Klerus gegenüber den Bauern an. 

Möge die Obrigkeit das Spiel bestimmen, gehe es nach Luther und seinen Anhängern, der gerechten Strafe Gottes werden auch sie nicht entgehen.

Ein protestantischer Prediger, Christoph Schappeler geht in seinen „12 Artikel“ etliche Schritte weiter. In seinem Manifest fallen unerhörte Forderungen wie die Abschaffung der Leibeigenschaft und das sofortige Ende von Ausbeutung und Unterdrückung. Konkret fordert der Prediger und die Bauern darin habgierige Kleriker loszuwerden um eigene Pfarrer wählen zu dürfen. Auch das Recht auf eigenem Boden jagen und zu fischen will dieses Manifest den Bauern zurück geben. 

Die neue Technik des Buchdrucks sorgt dafür das diese Forderungen weit über den Grenzen, im ganzen heiligen römischen Reich bekannt werden. Wer lesen kann, ließt laut vor versammelter Menge daraus vor und schon gelangen die Forderungen der „zwölf Artikel“ bis nach Tirol. Damit wächst die Zahl der aufständischen Landstriche. 

Übt scharfe Kritik an Kirche und Adel. Die soziale Ungerechtigkeit sieht er als gottlose Unordnung. Als einer der ersten Theologen verbindet Thomas Müntzer eine religiöse Reform mit einer sozialen Revolution.

Auch Gott hat hier mitzureden, sind sich Bauern und evangelische Theologen sicher. Bereits Martin Luther prangerte den Hochmut und die Willkür von Adel und katholischen Klerus gegenüber den Bauern an. 

Möge die Obrigkeit das Spiel bestimmen, gehe es nach Luther und seinen Anhängern, der gerechten Strafe Gottes werden auch sie nicht entgehen.

Ein protestantischer Prediger, Christoph Schappeler geht in seinen „12 Artikel“ etliche Schritte weiter. In seinem Manifest fallen unerhörte Forderungen wie die Abschaffung der Leibeigenschaft und das sofortige Ende von Ausbeutung und Unterdrückung. Konkret fordert der Prediger und die Bauern darin habgierige Kleriker loszuwerden um eigene Pfarrer wählen zu dürfen. Auch das Recht auf eigenem Boden jagen und zu fischen will dieses Manifest den Bauern zurück geben. 

Die neue Technik des Buchdrucks sorgt dafür das diese Forderungen weit über den Grenzen, im ganzen heiligen römischen Reich bekannt werden. Wer lesen kann, ließt laut vor versammelter Menge daraus vor und schon gelangen die Forderungen der „zwölf Artikel“ bis nach Tirol. Damit wächst die Zahl der aufständischen Landstriche. 

DIE OBRIGKEIT BLEIBT HART

Der Schwäbische Bund bleibt hart und bald wird klar das nur auf Zeit gespielt wurde um aufzurüsten.

Die Wut der Bauern entlädt sich auf Schlösser und Klöster. Zu lange haben barmherzige Kirchenmänner“ den Bauern alles abgepresst. Was die Bauern an Wertgegenständen rauben dient der Aufrüstung. Waffen werden gekauft und Söldner angeworben. 

Der Stolz der Bauern sind erbeutete Kanonen- die High-Tech Waffen des sechzehnten Jahrhunderts. 

Georg „Bauernjörg“ von Waldburg-Zeil beendet den Bauernaufstand in Oberschwaben mit einer Mischung aus notwendiger Diplomatie und eiserner Faust.

Der schwäbische Bund hat derweil längst den erfahrenen Feldhauptmann Georg Truchsess von Waldburg mit der Niederschlagung des Aufstands beauftragt. Und er ist vertraut im Niederschlagen von Aufständen. 

Fehlen nur noch die begehrten Landsknechte. Waldburg kann weniger von ihnen anwerben als gedacht, da sich etliche lieber den Bauern angeschlossen haben. Immerhin könnte es sein das ein Vater oder Bruder unter den Aufständischen ist. 

Dennoch gelingt es ihm über 6000 Fußsoldaten und 2000 Reiter unter seiner Flagge zu sammeln. Diese stehen rund 40 000 Rebellen in Oberschwaben gegenüber. Die Obrigkeit giert danach zurückzuschlagen – und zwar mit aller Härte. 

Waldburg konfrontiert als erstes Ziel den Baltringer Haufen, doch dieser lässt sich auf kein größeres Gefecht ein. Zu groß ist die Bedrohung durch Waldburgs, in allen Belangen bessere Truppe. 

Doch ehe zum finalen Schlag ausgeholt werden kann, erreicht ihm eine Schreiben des Schwäbischen Bundes. 

Waldburg und seine Truppen werden bei der Ortschaft Leipheim dringend gebraucht, denn dort sammele sich gerade ein gigantisches Bauernherr zusammen mit den mittlerweile verarmten Webern des Ort. Für die Misere der Letzteren ist auch die hiesige Obrigkeit verantwortlich. Dem Adel dem es wahrlich nicht an Feinden mangelt, drängt zur Eile. 

Der Leipheimer Haufen hat sich während Waldburg ihm im Eiltempo entgegen marschiert mit erbeuteten Kanon, Pulver und Schusswaffen, sowie den Worten eines Predigers der sie für unverwundbar erklärt, zu einem selbstbewussten Haufen entwickelt der immer weniger die Konfrontation zu scheuen beginnt.

Eins fehlt dem Haufen im Gegensatz zu anderen: Landsknechte.

Deren primitive aber effektive Waffe – die bis zu 5 Meter lange Pike gehört im sechzehnten Jahrhundert zum Standardarsenal europäischer Armeen. Eine Wand aus diesen langen Lanzen würde mühelos den Angriff berittener Verbände abwehren die sich nun Leipheim nähern. 

Die Anführer des Haufens gehen deswegen in die Defensive und verschanzen sich hinter dem Fluss Biber der eine natürliche Deckung bietet die der Feind erst überwinden muss. 

Mit geraubten Kanonen verbessert das aufständische Landvolk seine Schlagkraft.

Massaker an der Biber

Schützen mit leichtem Feldgeschützen, Landsknechte und gepanzerte Reiter erscheinen am 4. April 1525, nahe der Kleinstadt Leipheim am Horizont. Waldburg verfügt über die modernste Ausrüstung seiner Zeit. 

Die 4000 Aufständischen die sich mit einer Mischung aus Euphorie und Sorge auf der Anhöhe Bibersteige verschanzt haben warten bis Waldburg in Schussweite komt. Die Bauern haben genug gesprochen, nun lassen sie die von ihnen erbeuteten Kanonen sprechen.

Die Profis lassen sich davon nicht einschüchtern. Waldburg ist bereits bestens über das Gelände informiert. Er weiß wo die Biber überquert werden kann und wo keine Bauern den Weg versperren.

Die Truppen des schwäbischen Bundes schießen zurück. Während die Bauern in Deckung gehen überqueren die Reiter die Biber auf eine Furt weiter südlich und fallen so den Bauern in den Rücken. 

Panik bricht aus und die Bauern fliehen, wer überlebt sucht sein Heil hinter den Mauern von Leipheim.

Waldburgs Truppen zeigen keine Gnade und schneiden den Fliehenden den Weg ab und töten so viele sie können. 

Gerade als sich Waldburg seines Sieges zu sicher ist, erscheint unerwartet ein weiterer Bauernhaufen am Horizont 1000 Mann aus Günzburg stürmen auf das vom Rauch der Kanonen und von Toten und Sterbenden übersäte Schlachtfeld zu. 

Und doch ereilt sie an diesem Tag das gleiche Schicksal. Die Landsknechte nehmen die frischen Rebellen ins Visier, feuern und kurz danach prescht die gepanzerte Reiterei in den in Auflösung begriffenen Haufen. Beide Bauernhaufen enden als Kanonenfutter die die Reiter nun durch die Sümpfe und in Richtung der nahen Donau hetzen. 

Von ihren Waffen brauchen sie kaum mehr Gebrauch zu machen, ein großer Teil der völlig verängstigten Bauern ertrinkt in den Fluten der blauen Donau.

Waldburg der aufgrund seines harten Vorgehens auch „Bauernjörg“ genannt wird hat an diesen Tag keinen einzigen Gefallenen zu beklagen.

Wenige der Bauern gelangen hinter die vermeintlich sicheren Mauern der Kleinstadt Leipheim. Doch als erfahrener Militär weiß Waldburg das er nicht nachgeben darf. Seine Kanonen werden auf die Stadt gerichtet, seine Landsknechte schnaufen durch, laden ihre Arkebusen und machen sich bereit die Stadt zu stürmen, zu töten, zu rauben und zu vergewaltigen – Alltag im Leben eines professionellen Landsknechtes.

Ehe der erste Schuss fällt, öffnen sich die Stadttore. Leipheim ergibt sich beim Anblick der raubeinigen Landsknechte vor ihren Toren. Im benachbarten Günzburg aus der ja die Verstärkung kam, läuft das selbe Spiel ab.

Die Landsknechte werden unruhig, denn das obligatorische Plündern hätte ihren Sold massiv aufgewertet. Waldburg presst beiden Städten ein beachtliches Lösegeld ab um seine Söldner zu beruhigen.

Die Anführer der Rebellen sollen sterben. Auf einem Acker werden sie der Reihe nach enthauptet. Darunter auch ein evangelischer Theologe, Jakob Wehe, der die Bauern mit feurigen Reden zum Kampf ermunterte. Als der Henker mit seinem Schwert ausholt soll er noch eine bekanntes Bibelzitat von sich gegeben haben:

„Vater vergibt ihnen den sie wissen was sie tun“

Doch einigen Aufständischen schenkt Waldburg überraschenderweise das Leben, er fordert lediglich das sie ihre Waffen abgeben. 

Sie sollen Gehorsam ihren Herrn gegenüber schwören und für den entstandenen Schaden aufkommen. Jede Form von verdächtiger Organisation soll in Zukunft mit drakonischen Mitteln bestraft werden.

Die Bauern sind noch nicht geschlagen

Die Schlacht von Leipheim endet wie die meisten Schlachten der nun anbrechenden Zeit der „Bauernkriege“. 

Ein totaler Sieg der Obrigkeit nicht durch zahlenmässige Überlegenheit sondern durch bessere Ausrüstung und der Disziplin und dem Können ihrer Landsknechte. Doch es tun sich bereits Risse auf. 

Letztere sind bestürzt von den tausenden toten Bauern die sie auf Befehl Waldburgs hinmetzelten. Zählt sich doch eine große Zahl der Landsknechte selbst zum Landvolk und beginnt zu desertieren.

Der Sinneswandel kostet Waldburg um die 1 500 Landsknechte die sich nach dem Gemetzel an der Biber nun von ihm abwenden.

Dieses Zeitfenster kann die Christliche Vereinigung nicht nutzen, da es an einer klaren Befehlsstruktur mangelt. Waldburg zieht so mit seinen übrigen Truppen ungehindert in Richtung Bodensee um den nächsten Bauernhaufen zu eliminieren. 

Wer sich ihnen entgegenstellt – etwa der 4000 Mann starke Allgäuer Haufen- wird von den Geschützen des schwäbischen Bundes vom Schlachtfeld gefegt ehe es zum Nahkampf kommen kann.

Es ist der Gründonnerstag 1525 als sich die christliche Vereinigung Waldburgs unbesiegten Truppen nun geeint entgegenstellt. Das Aufgebot kann sich sehen lassen: Der 12 000  Mann starke Seehaufen, darunter auch ehemalige Landsknechte stellen sich der Obrigkeit bei Weingarten in der Nähe von Ravensburg entgegen. Auch der Allgäuer Haufen kündigt sich erneut an, diesmal mit 8000 Mann und der Haufen aus Hegau soll mit weiteren 4000 eintreffen.

Jetzt rächt sich Waldburgs brutales Vorgehen an der Biber. Ohne seine desertieren Landsknechte sieht er auch trotz Panzerreiter und Kanonen wenig Aussichten auf einen Sieg. Er hat noch ein Ass im Ärmel – sein diplomatisches Geschick.

Vier Tage später wird der nach dem Ort des Geschehen benannte „Weingartner Vertrag“ mündlich aufgesetzt, der später verschriftlicht wird.

Waldburg sichert den Bauern darin zu von Schadensersatz abzusehen, ihnen ihre Waffen zu lassen und ein Schiedsgericht zu installieren das künftig Streitigkeiten zwischen Bauern und Obrigkeit möglichst gerecht lösen soll. Doch fordert der Vertrag im Gegenzug von den Bauern die sofortig Auflösung der Christlichen Vereinigung und über eine Abschaffung der Leibeigenschaft soll gar nicht mehr debattiert werden.

Drei Monate Bauernkrieg in Oberschwaben finden so ihr mildes Ende. Die Obrigkeit, als Waldburgs Auftraggeber ist mit den Zusicherungen des Vertrags nicht zufrieden. Ihrer Ansicht nach sind das zu viele Zugeständnisse und zu wenige Bauernköpfe auf Lanzen. 

Doch das Feuer ist geschürt und Leipheim sollte nur die erste Schlacht der Bauernkriege sein die bald weite Teile des Heiligen Römischen Reiches erfassen sollten. 

Aufstände wie der große Bauernkrieg erschüttern das Heilige römische Reich bis in den Alpenraum.

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