1714 beendet England seinen Krieg mit Frankreich und Spanien. Die Freibeuter, die auf englisches Geheiß in der Karibik während des sogenannten spanischen Erbfolgekrieges feindliche Schiffe kaperten, stehen nach ihrer Entlassung aus dem Dienst vor dem Nichts. 36 000 Soldaten der Navy – darunter die Freibeuter „streifen bettelnd durch das ganze Königreich“ berichtet ein Chronist.
„Seeräuber ist, wer als Führer eines bewaffneten Fahrzeugs ohne Auftrag eines Herrschers oder selbstständigen Staates, auf dem Meer umherfährt, um Raub oder irgendwelche Gewaltakte zu begehen.“ Portugiesisches Strafgesetzbuch 1886
Kein Kaperbrief- kein Problem Einer davon ist Benjamin Hornigold, der macht sich selbständig, geht auf eigene Rechnung auf Kaperfahrt und verstaut seine Beute in einem Unterschlupf in Nassau. Die Beute wird gerecht untereinander aufgeteilt – anders wäre die Besatzung aus Kriminellen wahrscheinlich auch nicht zu bändigen. Schnell wächst der Unterschlupf zu einem Hafen, zieht Piraten aller Couleur an und wächst zu einem waschechten Hafen der Seeräuber an. Das Gemenge der Gesetzlosen besteht aus Geflohene Sklaven, Meuterer, entkommene Verbrecher und desertierte Matrosen. Nicht selten schmücken sie sich mit der Kleidung ihrer reichen Opfer. Dem Rum sind sie äußerst zugetan, ist Rum doch eines der am meisten aufgebrachten Güter. Unter den Kapitänen der meist kleinen wendigen Boote herrscht ein Konkurrenzkampf um die fetteste Beute. Hornigolds Schiff, ein spanischer Segler mit Namen „Benjamin“ schmückt sich mit der berühmten Totenkopfflagge. 200 Seeräuber, bis an die Zähen bewaffnet steht eine Reihe schwerer Kanonen zur Verfügung. Die Hierarchie ist flach auf einem Piratenschiff und einer von ihnen steigt bald zu einer Art von Offizier auf, sein Name; Edward Thatch, besser bekannt als „Blackbeard“.
Königin Annas Rache Das Wrack der „Queen Ann’s Revenge“ finden Taucher 1996 vor der Küste North Carolinas, in der Bucht von Beaufort. Aufgrund der Anzahl der gefundenen Kanonen und den überlieferten Aufzeichnungen eines Matrosen kann das Wrack klar als Blackbeards legendäres Flaggschiff identifiziert werden. Bis heute ist es eines von wenigen Wracks die eindeutig unter schwarzer Flagge segelten.
1717 segelt das französische Sklavenschiff „La Concorde“ gute 100 Seemeilen vor Martinique. Nicht nur Sklaven und Goldstaub befinden sich auf dem Schiff. Auch die Ruhr und der Skorbut sind an Bord und haben bereits große Teile der Mannschaft und der menschlichen Fracht getötet. Hornigold und Blackbeard nehmen die La Concorde ins Visier. Das ehemalige Kaperschiff kann eine beträchtliche Anzahl an Kanonen vorweisen, die niemand mehr bedienen kann. Die Piratenflotte feuert zwei Breitseiten ab und kapert das Schiff dann ohne Blutvergießen. Die Sklaven an Bord verkauft Blackbeard auf Nassau und anderen Inseln weiter, manche soll er auch in seine Besatzung aufgenommen haben. Ein Teil der Franzosen läuft zu den Piraten über, ein größerer Teil wird zum Dienst gezwungen. Blackbeard benennt das Sklavenschiff in „Queen Ann’s Revenge“ um und lässt das ohnehin schon wehrhafte Schiff aufrüsten. Die Läufe von 40 Kanonen ragen aus dem Schiff und ist somit das gefährlichste Schiff in den Gewässern um Nassau. Ein beachtlicher Aufstieg für den im englischen Bristol geborenen Matrosen. Lange hatte er seinen Dienst auf einem Handelsschiff versehen, später auf einem Kaperschiff unter englischer Krone. Nun nennt er die „Queen Anne’s Revenge“ sein eigen.
„Eine Erscheinung, dass man keine Furie der Hölle sich entsetzlicher ausmalen kann“ Ein Zeitzeuge beschreibt Blackbeard
Psychologische Kriegsführung Innerhalb von zwei Jahren 1716-1717 erwirbt sich Blackbeard einen grausamen Ruf in der Karibik. Sein Jagdrevier sind die Routen der westindischen Inseln und der atlantischen Küste Nordamerikas auf denen schwerfällige Handelsschiffe ihre wertvolle Fracht transportieren. So manchen Seemann muss allein der Anblick der berüchtigten Piratenflotte von Blackbeard mehr Angst gemacht haben als ein aufziehender Sturm. Dafür sorgt Blackbeard selbst. Blackbeard trägt einen langen und dichten schwarzen Bart, ist meistens reichlich mit Pistolen, Messern und sonstigen Mordwerkzeugen behängt. Es wird auch berichtet, dass er sich vor einem Kampf eine brennende Lunte an seinen langen Bart band, das gab ihm ein „teuflisches“ Aussehen, das er genüsslich pflegte. Doch ist der echte Blackbeard viel mehr ein Meister der psychologischen Kriegsführung. Nicht nur die massive Einschüchterung durch die 40 Kanonen der Queen Anns Revenge und die kursierenden Schreckgeschichten sorgen dafür, dass die meisten Schiffe es gar nicht zum Kampf kommen lassen und sich ergeben. Die berüchtigte Bewaffnung setzt die Besatzung nur als letztes Mittel ein. Wie ein Cäsar weiß sich Blackbeard eindrucksvoll in Szene zu stellen. Bei Enterangriffen posiert er sich an der Reling seines Schiffes, in der Schärpe sechs geladene Pistolen, das Haupthaar und Bart zu Zöpfen geknüpft, brennende Lunten, die aus dem prächtigen Hut ragen tauchen sein Gesicht in Rauch und Feuer. Blackbeard ist der Prototyp des fürchterlichen Piraten. Seine Inszenierung ist das erste Bild das Generation von Menschen bei dem Wort Pirat in den Sinn kommt. Ihm geht es mehr um Beute als um Gewalt, wie es in den von ihm vielleicht selbst gesäten Geschichten heißt. Nur einer giert in dieser Zeit nach mehr Beute als der legendäre Pirat. Charles Eden der der Gouverneur der britischen Kolonie North Carolina. Im Gegenzug für Schutz, erhält Eden einen gewissen Anteil der Beute Blackbeards. Die „Geschäfte“ laufen gut. Es heißt das er für einige Zeit ein „anständiges Leben“ führte, doch beim Anblick des weiten Ozeans und der tonnenschweren Beute, die darauf segelt und scheinbar nur darauf wartet unter Kanonendonner und dem Krachen der Musketen geraubt zu werden, wird Blackbeard rückfällig
Blackbeards berühmte Flagge
Rum und Musketen Auch weil das geraubte Vermögen bald aufgebraucht ist, hisst der Schrecken der Karibik nun wieder öfter als zuvor die Totenkopfflagge. Zeitzeugen berichten, dass der Pirat in dieser Zeit Drogen und alkoholabhängig ist, während sich die Schlinge um die Piratenwelt enger zieht. Denn die Verluste durch die florierende Piraterie steigen und stellen für das Vermögen von Königreichen sowie Handelskompanien mittlerweile ein existenzbedrohendes Unheil dar. Blackbeard überschätzt sich unterdessen. Im Mai 1918 belagert er den Hafen Charleston in der Kolonie South Carolina. Mit mehreren Schiffen blockiert er den Hafen. Neben der üblichen Beute erpresst der süchtige Pirat auch Laudanum und Medikamente. Nach 9 Tagen beenden die Piraten die Blockade. Auf dem Rückweg nach Beaufort läuft die Queen Anne’s Revenge und ein weiters Schiff auf einer Sandbank auf. Das gefürchtetste Schiff der Karibik wird aufgegeben. Anschließend hält sich Blackbeard in der Hafenstadt Bath auf und frönt nicht nur seiner Drogen- und Alkoholsucht, er soll dort auch eine vierzehnjährige geheiratet haben. Er prahlt mit seinen Erfolgen, ist ständig betrunken und lädt sich ungebeten bei den verschreckten Farmern ein, wo er deren Frauen belästigt. Der Schrecken der Meere macht sich nun auch an Land breit. die Bevölkerung verlangt von den Vertretern der Krone endlich Abhilfe. Doch Blackbeards korrupter Beschützer Gouverneur Eden denkt nicht daran, ihm ernsthaft das Handwerk zu legen. Die Bürger sind verzweifelt. Was wenn Blackbeard, der offensichtlich schon wahnsinnig ist, völlig den Verstand verliert? Auch ohne das berüchtigte Flaggschiff sind Blackbeard und sein Haufen eine schwer einschätzbare Gefahr. Die verzweifelten Bewohner wenden sich an den Gouverneur von Virginia, den dieser verfügt über zwei britische Kriegsschiffe. Unter Leutnant Robert Maynard nehmen zwei schwerbewaffnete Fregatten die Verfolgung von Blackbeard auf. Dieser hat sich unterdessen in die Ocracokebucht zurückgezogen.
Trojanische Beute Leutnant Robert Maynard ist sich bewusst, dass der Kampf nicht einfach wird und lässt zwei harmlos anmutende Handelssegler anmieten. Vor der Bucht werfen beide Anker. Die Piraten schlucken den Köder. Die 20 bis auf die zähne bewaffneten Piraten greifen an. Blackbeard kann der Verlockung unmöglich wiederstehen. Auf einer kleinen Brigantine mit neun Kanonen nimmt der möglicherweise noch verkaterte Blackbeard Kurs auf die verlockende Beute und lässt sicherheitshalber als erstes auf das kleinere der Schiffe schießen. Die Feuerkraft der Piraten sorgt für Chaos und Tod auf den Schiffen. Waren die Kanonen früher das letzte Mittel zu dem gegriffen wurde, sind sie im Finale in der Bucht von Ocracoke die erste Wahl. Maynard versteckt sich zusammen mit einer großen Zahl Seessoldaten unter Deck, als die Piraten an Deck kommen und ein mit Trümmern und Toten übersätes Deck vorfinden, kommt die Vergeltung aus ihrer Deckung. Die Falle hat zugeschnappt. In dem erbarmungslosen Gemetzel, wird erbittert mit Säbeln, Messern und Pistolen gekämpft. Die Piraten sind bald überwältigt, Blackbeard steht bis zuletzt. Bereits angeschossen und verwundet kämpft der Schrecken der Karibik weiter. Die Kugeln, die ihn treffen zählt niemand. Die finale Kugel soll Maynard persönlich den Piraten verpasst haben. Blackbeards Kopf wird am Bugspriet befestigt. Die anderen überlebenden Piraten werden an Land aufgegriffen und später gehängt.
Ende mit Schrecken Bei Piraterie kennt die Obrigkeit keine Gnade. Die Leichen der Piraten werden in aller Öffentlichkeit gehängt. Ihre verfaulenden Leichen dienen als Abschreckung und auch als Zeichen, dass das „goldene Zeitalter der Piraterie“ zu Ende geht. Die Seenationen machen sich immer intensiver daran die Piraterie zu bekämpfen. Um die Schäden durch Piraten auf ihre Handelsschiffe zu verhindern, heuern sie regelrechte Piratenjäger an. Einer von ihnen ist Woodes Rogers (1679 -1732). Der spätere Gouverneur der Bahamas, war einst selbst Freibeuter. Er erkennt die Zeichen der Zeit und dank Piratenjägern wie ihn werden die Gewässer der Neuen Welt im Rahmen eines regelrechten Vernichtungszugs von den Blackbeards jener Zeit befreit.