Odyssee der Barbaren

Die Wanderung der Kimbern und Teutonen

120 vor Christus machen sich germanische Stämme auf die Suche nach neuen Siedlungsräumen und schlagen die Römer, die sich ihnen selbstbewusst in den Weg stellen mehrmals vernichtend. Die römische Republik ist hilflos im Angesicht des furor teutonicus, der „germanischen Raserei“. Erst Gaius Marius, ein homo novus kann die Horden, dank seiner berühmten Militärreformen schlagen.

Stich, Abbildung, gravure, engraving from W. Heine : 1874

Das Leben auf der kimbrischen Halbinsel ist hart. Mit Mühe trotzt die ansässigen Völker der Natur ab was sie zum Leben brauchen. Viel ist es nicht, die Landwirtschaft ist unterentwickelt und jede Sippe baut nur das an was sie zum Überleben braucht. Überschüsse erhält der Häuptling mit seiner Familie im Langhaus, dieser ruft auch zu den Waffen, wenn wie so oft ein Konflikt mit anderen Stämmen bevorsteht.

 Dann kommen die Überschwemmungen als der Spiegel der Nordsee um 120 vor Christus steigt. Jütland und die Insel Amrun versinken teilweise. Die kleinen Anbauflächen werden überschwemmt, Vieh ertrinkt. Die Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage. Die Häuptlinge der ansässigen Kimbern, Teutonen, Haruden und die Ambronen, deren Insel Amrun nun unter Wasser steht, beschließen aufzubrechen um neues Siedlungsland im Süden zu finden. Doch nicht nur Siedlungsland steht auf der Agenda der Stämme. Der griechische Geograph Strabo verweist auf die unter den Germanen typische Wanderlust und die Not der Anführer sich durch Beute und Ehre zu legitimieren. Reiche Beute winkt im Süden, je näher sie den Mittelmeerkulturen kommen. Unter ihren vermutlich gewählten Anführer dem Teutonen Teutobod zieht ein Treck aus Menschen auf Ochsenkarren, zu Pferde oder zu Fuß der Elbe entlang und finden sich bald im fruchtbaren böhmischen Becken wieder. Mit den Massen an Menschen können die hier ansässigen Kelten nichts anfangen. Die Gier nach Beute unter den Fremden sorgt ebenfalls für Unmut. Der Stamm der Boier stellt, besiegt und verjagt sie kurzerhand. Ein Muster das das sich wenig später im Land der Skordisker im heutigen Bulgarien wiederholt Als die Adligen auch hier zu plündern beginnen, wehren sich die Skordisker und schlagen die Germanen vernichtend zurück. Der nächste Schritt sollte der verhängnisvollste sein: Der Zug der Germanen erreicht das Königreich Noricum – Ein Freund der mächtigen römischen Republik.

„Da sie keinen Verkehr mit anderen hatten und das Land, das sie durchzogen hatten, so weit war, wusste man nicht, was das für Menschen waren oder woher sie ursprünglich kamen, die da wie eine Wetterwolke über Gallien und Italien hereinbrachen“

Plutarch

Freunde Roms
Auf die Freundschaft zwischen Norikern und Römern macht der in die Ostalpen aufgebrochene Konsul Gnaeus Papirius Carbo während eines Treffens mit den umherirrenden Stämmen aufmerksam. Die Noriker seien „Freunde des römischen Volkes“ und stünden daher unter römischen Schutz. Ihr Land sei sofort zu verlassen.
Die germanischen Führer zeigen sich einsichtig und entschuldigen sich für ihr Unwissen. Dennoch versuchen sie zu verhandeln und schlagen vor mit ihrem Treck das Land der Boier zu verlassen und sich an die Donau zurück zu ziehen.
Wahrscheinlich erleichtert stimmt der Konsul zu. Die Barbarenmassen könnten zu keinem schlechteren Zeitpunkt auftauchen. Zur selben Zeit führt die römische Republik einen nicht enden wollenden Krieg gegen die keltischen Stämme in Spanien und der Krieg mit den aufsässigen Numidern unter ihren König Jughurta zieht sich ebenfalls ohne Fortschritte in die Länge.
Als die Germanen friedlich ihrer Wege gehen, kommen dem Konsul Zweifel.
Standen nicht erschreckend viele unter ihnen unter Waffen? Waren sie nicht schon bereits mordend und plündernd durch das Barbaricum gezogen? Wo will diese Masse an Menschen wirklich hin? Carbo erinnert der Treck wohl an eine bewaffnete Heuschreckenplage und handelt dementsprechend.
Heimlich nimmt er mit seinen Legionen die Verfolgung auf. Während der Zug der Germanen wie vereinbart gen Norden zieht, umgeht er sie parallel.
Nichts ahnend errichten die Germanen bei Noreia ihr Lager für die Nacht, als am Horizont die Legionen auftauchen und augenblicklich angreifen.
Der Zug der Germanen – die Römer nennen sie wohl eher einfach barbarorum (Barbaren) oder halten sie für Kelten. Den Sammelbegriff Germanen soll erst Julius Cäsar später „erfinden“ -soll vernichtet werden. Doch es kommt ganz anders.
Die Germanen halten dem Ansturm solange Stand, bis sie die erschöpften Römer zurückdrängen können und ein Blutbad unter den Legionären anrichten.
Carbo muss bei diesem Anblick seinen Wortbruch bitter bereut haben.
Nur ein plötzliches Gewitter rettet die Legionen vor der vollständigen Vernichtung, den die Germanen fürchten nur eins: Den Zorn des Donnergottes.
Carbo kann mit der Schande nicht leben und beendet sein Leben nach alter römischer-republikanischen Tradition mit der Einnahme von Gift.

Überraschenderweise blieben die Germanen bei ihrem Versprechen und fallen immer noch nicht in das nach der Schlacht bei Noreia wehrlose Italien ein.
Sie halten an ihrer nördlichen Route fest und erreichen 111 vor Christus das Land der keltischen Helvetier.
Dort gibt es Arbeit für die von Entbehrungen und Krieg gezeichneten Germanen.
Die Kelten der Latènezeit (ca. 450 – 50 v.Chr.) liegen ständig im Krieg untereinander. Die abgehärteten Germanen sind als Söldner sehr begehrt.
Doch beim Anblick der Germanen und ihrer mittlerweile angehäuften Reichtümer entscheiden die Helvetier anders. Strabo der Geograph berichtet:

„Als aber die Helvetier gesehen hätten, dass der durch Raub gewonnene Reichtum ihren eigenen bei weiten übertraf, da seien sie – vor allem die Tiguriner (einer der vier Gaue der Helvetier) – verlockt worden, zusammen mit den Kimbern aufzubrechen“

Von diesen Punkt an, werden vor allem die germanischen Kimbern als Kelten gedeutet. Sie tragen eine ähnliche Tracht, nutzen das typisch keltische Hiebschwert und deren König nimmt nun auch den keltischen Namen Boiorix an.
Zusammen mit den keltischen Tiguiner zieht der Strom weiter. Als sie vor der römischen Provinz Gallia Narbonensis in Südgallien stehen, treten sie in Verhandlungen mit den Römern um Siedlungsland zu erhalten.
Der römische Senat antwortet 109 vor Christus mit weiteren Legionen unter dem Kommando des amtierenden Konsuls Marcus Iunius Silanus. 107 vor Christus wird sein Kollege Lucius Cassius Longinus an der Garonne von den Tigurinern geschlagen. Im römischen Senat rauft man sich die Haare über die scheinbare Machtlosigkeit der eigentlich schlagkräftigsten Armee der Welt.

Das Debakel von Arausio
Der römische Senat sendet weiter Legionen nach Norden. Dieses Mal teilen sich zwei Konsuln das Kommando. Die erste steht unter dem Kommando von Gnaeus Mallius Maximus, die andere wird von dessen untergeordneten Prokonsul Quintus Servilius Caepio angeführt.
Die beeindruckende Streitmacht bewegt die Germanen zum Verhandeln. Die Siege zuvor könnten ja auch reines Glück gewesen sein.
Wieder geht es um Ackerland und Saatgut. Der Prokonsul verlacht sie und scheucht die Unterhändler respektlos aus dem Kommandozelt.
Caepio vertraut auf seine Armee und greift ohne Absprache mit Mallius an. Er Caepio, will den vermeintlich sicheren Sieg für sich einheimsen. Mit einem Emporkömmling wie Mallius brauche er, Mitglied eines uralten Patriziergeschlechts, keine Absprache halten.
Der 6. Oktober des Jahres 105 vor Christus geht als Unglückstag in die römische Geschichte ein.
80 000 tote Römer sollen das Schlachtfeld bei Arausio (Orange) bedeckt haben. Erinnerungen an die Katastrophe bei Cannae vor zwanzig Jahren werden wach.
Die Götter haben sich scheinbar von der Tibermetropole abgewandt.
Die Erinnerung an das Debakel scheint selbst im fünften nachchristlichen Jahrhundert lebendig zu sein. Der Historiker Orosius schreibt in seinem Werk:

„Die Kleidung wurde zerrissen und weggeworfen, Gold und Silber in den Fluss geschleudert, die Panzer der Männer zerschlagen, der Stirn- und Brustschmuck der Pferde vernichtet, die Pferde selbst wurden in den Fluten ertränkt; den Menschen legte man Schlingen um den Hals und hängte sie in den Bäumen auf, so das der Sieger nichts von der Beute, der Besiegte nichts von einem Mitgefühl spürte“

Strabo verweist gar auf Priesterinnen die Gefangenen die Kehle aufschnitten um aus deren ausströmenden Blut die Zukunft zu prophezeien.
In Rom bricht nun endgültig Panik aus. Der Senat beschließt sich an den einzigen Mann zu wenden, der Rom von den Pranken der Barbaren retten kann.
Gaius Marius.

Auftritt des Marius (158 – 86 v.Chr.)
Der Aufstieg des Marius wird von der Nobilität mit Argwohn beobachtet. Er ist ein Niemand, ein homo novus, der sich nicht durch Abstammung, sondern durch Heirat und eigene Leistung bis ganz nach oben gearbeitet hatte.
Seit 109 vor Christus versucht er zusammen mit dem Quästor, und späteren Diktator Lucius Cornelius Sulla den numidischen König Jugurtha, im nach ihm benannten jugurthinischen Krieg in Nordafrika in die Schranken zu weisen. Da Marius den Oberbefehl innehatte, konnte er auch nach Belieben frische Truppen ausheben. Was dringend nötig wurde, als sich der Krieg hinzog. Dabei gliederte er in dem für ihn typischen Pragmatismus kurzerhand besitzlose Numider in seine Armee ein. Nachdem der Krieg zugunsten Roms 105 vor Christus endete, fehlte nur noch der aufsässige Jugurtha in der Reihe der Besiegten. Dieser war zu seinem Schwiegervater Bocchus von Mauretanien geflohen. Es war Sulla der den mauretanischen König durch geschicktes Verhandeln noch im selben Jahr dazu bewegen konnte seinen Schwiegersohn an die Römer auszuliefern. Der Ruhm fiel Sulla zu und seither herrscht eine eisige Kälte zwischen den einstigen Kameraden.

Gaius Marius. Vintage engraving. From Popular France, 1869.

Die Maultiere des Marius
Noch während die Germanen nach Spanien ziehen, nutzten die Römer diese mehr als willkommene Verschnaufpause und wählen Marius 104 v. Chr. zum Konsul.
Dieser macht sich daran die römische Armee zu optimieren. Er füllt die mittlerweile gelichteten Reihen der Legionen auf, indem er wie einst in Numidien, besitzlose Römer in die Legion eingliedert. Die nun mehr vereinheitlichte Ausrüstung und Waffen stellen der Staat zur Verfügung.
Marius setzt damit die früheren Besitzkriterien für den Militärdienst außer Kraft.
Sein neu organsiertes Berufsheer ermöglicht so den Besitzlosen, den proletarii neue Chancen.
Auch die Götter werden bei Marius Heeresreform nicht vergessen. Er führt ein neues Feldzeichen auf den ein silberner Adler seine Schwingen ausbreitet ein. Dem heiligen Feldzeichen wird geopfert und sein Träger hat eine priesterartige Funktion inne.
Das Signum stärkt den Korpsgeist der Soldaten und steht seither für die militärische Dominanz der Römer. Unter den Schwingen von Jupiters Adler sollen die Legionäre nun nicht mehr brüllend dem Gegner entgegen preschen, sondern sich stumm nähern und einen neuartigen Wurfspeer, dass Pilum ihren Feinden entgegen schleudern, sobald dieser in Reichweite ist. Dann erst wird auf den eingeschüchterten Feind mit Gebrüll losgegangen.
Um den nun auch neugegliederten Truppenteilen eine möglichst wendige Mobilität zu gewährleisten, reduziert der Konsul den Tross. Auf Marschrouten werden im Rücken der Legionen Vorratslager errichtet, Ausrüstung, Kochgeschirr und Schanzwerkzeug trägt der Legionär nun selbst um den Tross weiter zu reduzieren. Zeitgenossen beschreiben die vollgepackten Legionäre scherzhaft als muli Mariani – „Maultiere des Marius“.
Um die Legionäre auf die Entbehrungen des Feldzugs vorzubereiten, lässt Marius sie ein unbarmherziges Training durchlaufen. Oft genug nimmt er selbst daran teil.
Er lässt Gladiatoren aus ihren Schulen in die Kasernen kommen um die Fähigkeiten seiner Soldaten weiter zu verbessern.
Das Training nimmt skurrile Formen an als Marius ihnen durch gezielte massenpsychologische Maßnahmen um sie an die wilden Germanen „… den Anblick der Gestalten der Feinde auszuhalten und ihre Stimmen zu ertragen, die völlig fremd und tierartig waren“ zu gewöhnen versucht.

Die reformierten Legionen des Marius tragen ihr Gepäck selbst und sind somit um einiges mobiler.

Die Revanche
Unterdessen gelingt es den Germanen nicht sich an den Randzonen der keltischen Welt anzusiedeln. Zu oft eilt ihnen ihr Ruf und die Angst vor ihrer schieren Masse voraus.
Nun entschließt man sich doch ins vermeintlich schutzlose Italien einzufallen.
Bei Plutarch heißt es darüber:

„… beschlossen sie, sich nirgendwo auf der Welt anzusiedeln, bevor sie nicht Rom zerstört und Italien verwüstet hätten“

Die Stämme teilen sich auf. Teutonen und Ambronen machen sich auf über die Westalpen Italien zu erreichen. Die Kimbern und ihre Verbündeten, die Tiguriner, marschieren von Norden.
Marius erwartet die Horden vor dem kleinen St. Bernhard in einem befestigten Feldlager. Damit blockiert er den Pass nach Oberitalien. Seinen wertvollen Legionären macht er deutlich, ihr Leben nicht unnötig zu riskieren und vermeidet eine Feldschlacht. Marius ist zu sehr selbst Soldat und kann sich auf seine auf ihn eingeschworenen Legionen verlassen. Marius ist ein neuer Typus, des römischen Feldherrn, im Gegensatz zu den vielen anderen hochnäsigen Patriziern, die bereits an den Germanen gescheitert waren.
Auch deswegen gelang es den Legionären, die Entbehrungen zu überstehen und ihre Befestigung gegen die immer wieder anstürmenden Germanen zu verteidigen.
Nach drei Tagen geben die Teutonen und Ambronen auf und beschließen einfach an der Befestigung mit ihren darin verkrochenen Römern vorbei zu marschieren. Die verängstigten Römer hinter ihren Schanzen und Palisaden würden sie nicht aufhalten in Italien einzufallen.

„…Hierbei kamen sie dicht heran und fragten lachend die Römer, ob sie etwas an ihre Frauen auszurichten hätten, denn sie selbst würden bald bei diesen sein“
Plutarch

Teutonen und Ambronen sollte das Lachen vergehen, denn Marius nimmt die Verfolgung mit seinen sechs Legionen auf. Dank des nun verkleinerten Trosses sind seine Legionen um einiges schneller und beweglicher als die seiner Vorgänger.
Bei Aquae Sextiae stellt Marius die Germanen zur Schlacht. Das Schlachtfeld ist klug gewählt um seinen sich in der Unterzahl befindlichen Legionären einen taktischen Vorteil zu sichern.
Die Römer stehen auf einer günstigen Hügelposition und drängen die vom Aufstieg geschwächten Germanen zurück. Dann nehmen die römischen Reiter die Gegner in die Zange und vernichten die Ambronen völlig.
Laut Plutarch ist aus dem Lager der Familien der Krieger während der Nacht „verworrenem Geschrei und Gebrüll, untermischt mit Drohungen und Wehklagen“ zu hören.
Am nächsten Tag erleiden die anstürmenden Teutonen das gleiche Schicksal.
Es ist der Untergang der Kimbern und Ambronen.
Plutarch spart auch hier nicht mit makabren Details:

„… Zahl der Toten so groß war, dass die Einwohner, auf deren Territorium die Schlacht stattgefunden hatte, mit den Gebeinen ihre Weingärten einzäunten“

Kimbern und Tigruner ziehen unterdessen nördlich den Alpen entlang und überqueren diese am Reschen.
Die Überquerung des Pass, soll laut Plutarch für die Barbaren alles andere als schwierig gewesen sein:

„mit nacktem Oberkörper liefen sie beim Schneefall umher, stiegen durch Eis und tiefen Schnee auf die Berge, setzten sich oben auf ihre breiten Schilde, stießen sich ab und sausten an Steilschluchten und schroffen Felsen vorbei die Hänge hinunter“
Marius Amtskollege, der Prokonsul Quintus Latatius Catulus erwartet sie bereits bei Tridentum, dem heutigen Trient und bezieht dort Stellung. Ein Brückenkopf verbindet seine beiden Armeen über einen Fluss, doch die Barbaren werfen kurzerhand Baumstämme in den Fluss, beim Aufprall auf die Pfeiler, stürzt die Brücke ein. Nur mit Mühe kann sich Catulus geordnet zurückziehen und sich wenig später in Oberitalien Marius anschließen.
Ein letztes Mal wollen die Germanen verhandeln und für sich und ihren teutonischen Brüdern Siedlungsland erbitten.
Sie ahnen nicht das Marius bereits die Teutonen und ihre Verbündeten ausgelöscht hat. Dieser soll ihnen geantwortet haben:


„Lasst doch eure Brüder aus dem Spiel, denn die haben von uns schon Land erhalten und werden es für alle Zeiten haben“

Die germanischen Abgesandten scheinen nicht zu verstehen. Als man ihnen die gefangenen Teutonenkönige vorführt, verstehen sie.
Die Kimbern und Tigruner stellen sich zum Kampf, immerhin sind sie in der Überzahl und die Jahre der Kämpfe und Wanderungen haben selbst aus ehemaligen Fischern und Bauern eisenharte Krieger geformt. Ihr König Boiorix führt seine Krieger in die Schlacht, am 30. Juli 101 v. Chr., bei Vercellae.
Auf den raudischen Feldern, wie die Schlacht auch später genannt wird stehen 52 000 Römer stehen 195 000 Barbaren gegenüber, darunter 15 000 zu Pferd.
Mit dem landläufigen Bild einer ungeordneten Horde, die in Felle gehüllt und ohne Sinn und Ordnung nur mit Raserei kämpft haben die Germanen kaum etwas gemeinsam. Sie marschieren in Ordnung, tragen Brustpanzer oder Kettenhemden, große Schilde, haben mehrere Wurfsperre parat, ein wuchtiges Schwert in der Scheide und tragen Helme mit Tiermotiven. Feldzeichen und Trompeten geben Befehle weiter. Die vermeintlichen „Barbarenhorden“ agieren ganz am Stand ihrer Zeit. Die blinde Raserei schreiben ihnen römische Historiker zu, um einen Grund für die herben Niederlagen der vermeintlich unbesiegbaren Römer parat zu haben.
In ihrer letzten Schlacht sollen sich die Krieger der vordersten Reihen mit Ketten verbunden haben um ein Zereisen der Frontlinie zu verhindern.

Marius entscheidet sich dazu um die Mittagszeit anzugreifen. Aus guten Gründen. Jedes Ass im Ärmel will ausgespielt sein. Den ebenfalls vorrückenden Germanen macht nun nicht nur die für die Nordmänner nach wie vor ungewohnte Mittagshitze zu schaffen, sie heben auch ihre Schilde um nicht von der Sonne geblendet zu werden.
Bei dem Manöver der gefürchteten Reiterei wird in der Ebene Staub aufgewirbelt. Als die Gegner einander wiedersehen können, werfen die Legionäre ihre nun verbesserten Wurfspeer. Diese schlagen vermeintlich wirkungslos in den großen Schilden ihrer Gegner ein, doch verbiegen sich die langen Eisenspitzen, ihre Schilde werden dadurch schwer und als die Römer ihre Schwerter zücken sind die Germanen noch damit beschäftigt die lästigen Speere aus ihren Schilden zu ziehen.
Die erschöpften Kimbern schwitzen in der Sommerhitze und können der geschlossenen Front der Römer kaum mehr etwas entgegensetzen.
Von der eigentlichen Überzahl der Germanen sehen die Legionäre aufgrund es Staubs kaum etwas – es fällt ihnen leicht die stolzen Stammeskrieger zu überrennen.
Als sich die Niederlage ihrer germanischen Brüder abzeichnet, suchen die Tiguriner ihr Heil in der Flucht.
Das darauffolgende Massaker hätte vermieden werden können, hätten die Kelten eingegriffen. Doch der Ruf der Kimbernkönigs Boiorix verhallte ungehört in der Ebene von Vercellae. Die Niederlage der Kimbern ist vollständig.


Noch bevor die Legionäre das Lager der Familien am Rand des Schlachtfelds erreichen greifen die Frauen darin zu drastischen Mitteln um der römischen Soldateska zu entkommen. Plutarch schreibt:

„… ihre kleinen Kinder erwürgten sie mit ihren Händen und warfen sie unter die Wagenräder oder unter die Füße der Zugtiere; dann brachten sie sich selbst um“

Illustration of a Cimbrian War 113 – 101 BC, Battle of Vercellae, 30.7.101 BC, Cimbrian women defending the carriages

König Boiorix stirbt auf dem Schlachtfeld mit dem Schwert in der Hand. Wer sein Leben an jenen Tag nicht durch die reformierten Militärmacht Roms verliert, findet sich in der Sklaverei wieder. 60 000 sollen wenig später auf Sklavenmärkten feilgeboten werden. Eine Handvoll Teutonen wird von einem reichen Römer gekauft, der die ideale Verwendung für die wilden Krieger aus den Norden hat – er wird sie in seiner Gladiatorenschule in Capua zu Gladiatoren ausbilden lassen. Mit deren Ausbruch unter der Führung eines ausgezeichneten Gladiators, einen gewissen „Spartakus“ werden sie den römischen Legionären später um ein weiteres Mal das Fürchten lehren.

Die Tiguriner können entkommen und es laut Plutarch nach Hause schaffen. Sie sind der einzige Stamm, der den Aufstieg und Fall der „Kimbern und Teutonen“ überlebt

96 Jahre später, Nordküste der Kimbrische Halbinsel
Die kleine Flotte römischer Kriegsschiffe kämpft sich durch die stürmische Nordsee. Land wie See sind trostlos – unbezähmbar wie die Menschen, die zwischen den grauen Sanddünnen auftauchen und beim Anblick der hölzernen Ungetüme in Panik geraten. Zwar wird hier seit Urzeiten in See gestochen, doch so etwas wie ein römisches Kriegsschiff mit seinen unzähligen Rudern, den gewaltigen Segel und den Kriegsmaschinen an Deck hat man hier noch nie gesehen. Der Adler auf dem gigantischen Segel scheint den Barbaren eine teuflische Angst zu machen.
Unterwürfig bittet eine Gesandtschaft die Römer an Land zu kommen um sie zu bewirten. Dankbar, f Wind und Kälte zu entkommen, stimmen die Römer zu. Im Langhaus, dem zentralen Gebäude eines Germanendorfs, überreichen der Häuptling und die Dorfältesten den Römern ihren wertvollsten Besitz: das Sakralgefäß ihres Stammes.
Noch nie wurden die Römer in Germanien, das sie in den letzten Jahren Schritt für Schritt eroberten mit so einer Unterwürfigkeit empfangen.
Die Germanen entschuldigen sich damit für die Taten ihrer Vorfahren, als diese zusammen mit Ambronen, Teutonen und Tiguriner wie eine Gewitterwolke über Italien hereinbrachen.
Der Adler auf dem Segel des Schiffs, weckt die Erinnerung an Erzählung einst Heimgekehrter über die unüberwindbare Macht Roms.
Der derzeitige Kaiser in Rom, Augustus dürfte sich geschmeichelt fühlen als ihn die Nachricht des Treffens erreicht. Seit den Tagen der ersten Germanenkriege hatten sich die Machtverhältnisse umgekehrt. Roms Legionen marschieren immer tiefer in die Welt der Germanen ein.
Die „Barbarengefahr“ scheint gebannt. Der erste Kaiser Roms hat eine Welt des Friedens geschaffen – die „Pax Romana“, ermöglicht Austausch und Harmonie unter den vielen Völkern des römischen Imperiums.
Hoch erfreut über den Glanz seines Imperiums und noch nichts ahnend von der bevorstehenden Katastrophe im Teutoburger Wald, schreibt Kaiser Augustus in seinen Tatenbericht:

„Meine Flotte segelte von der Mündung des Rhein weg in östliche Gegenden bis zu den Ländern der Cimbern, wohin weder zu Lande noch zu Wasser irgendein Römer bis zu diesem Zeitpunkt je gelangt war. Die Cimbern … erbaten durch Gesandte meine und des römischen Volkes Freundschaft“

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